(pm). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) wirft dem Vorsitzenden des Regionalbauernverbandes Starkenburg, Dr. Willi Billau, haltlose Panikmache vor. Herwig Winter vom BUND-Landesvorstand Hessen fordert vom Bauernverband eine Rückkehr zur Sachlichkeit: „Wir haben alle die Aufgabe, die Wälder im hessischen Ried zu retten. Herr Billau sollte sich künftig erst einmal informieren, bevor er öffentlich Horrorszenarien verbreitet. Anstatt außerhalb des Runden Tisches zu polemisieren, sollte der Regionalbauernverband am Runden Tisch gemeinsam mit den übrigen Interessenvertretern an Lösungen arbeiten, die allen betroffenen Belangen zugute kommen.“

Verärgert ist der BUND über haltlose Behauptungen Billaus in einem Interview mit der Lampertheimer Zeitung (13. Dezember 2012). BUND-Vorstandssprecher Herwig Winter: „Der Unsinn, den Herr Billau dort zur großflächigen Vernässung landwirtschaftlicher Nutzflächen, zur Rückkehr der Malaria und zur Vernässung von Kellern auftischt, ist unerträglich.“ Der BUND weist darauf hin, dass die CDU / FDP-Landesregierung den Runden Tisch zur Sanierung des Grundwassers im Ried eingesetzt hat, weil alle Parteien im Hessischen Landtag schon vor Jahren die Bedrohung der Wälder im Ried erkannt haben. „Will Herr Billau den Bürgerinnen und Bürgern im Ried etwa weismachen, dass die Landesregierung den Runden Tisch ohne Rücksicht auf die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung eingesetzt hat?“

Fakt ist, so der BUND, dass nach gutachterlichen Feststellungen der Landesregierung weit über 10.000 Hektar Wald Jahr für Jahr stärker absterben, weil unter den Wäldern seit Jahrzehnten zu viel Grundwasser entnommen wird. Dieser Prozess ist teilweise weit vorangeschritten und für die Rettung dieser Wälder bleibt nicht mehr viel Zeit. Richtig ist weiter, dass das Grundwasser vorrangig unter den Waldflächen gefördert werden muss, weil nur dort ausreichende Sicherheit für sauberes Trinkwasser besteht. Die Trinkwasserversorgung ist auch in Zukunft nur gesichert, wenn die Wälder mit ihrer Filterfunktion langfristig gesichert werden. „Der jetzige Grundwasser-Raubbau gefährdet hingegen nicht nur die heimischen Wälder, sondern auf Dauer auch die heutige gute Grundwasserqualität und damit die Trinkwasserversorgung in Südhessen“, so BUND-Vorstandssprecher Winter.

Von der Landwirtschaft erwartet der BUND eine konstruktive Zusammenarbeit am Runden Tisch statt Panikmache, denn sie trägt für die heutige Problematik erhebliche Verantwortung. „Wir diskutieren über die sterbenden Wälder, weil die großflächige Grundwassergewinnung unter Ackerflächen von den Wasserwerken aus Qualitätsgründen überwiegend abgelehnt wird. Würde die Landwirtschaft im Ried vollständig umweltgerecht produzieren, könnte das Grundwasser unter ihren Flächen entnommen und die Ackerflächen müssten vermutlich nicht auch noch beregnet werden, wodurch die Grundwasserentnahme unter Wald verstärkt wird. Bei einer wirklich umweltgerechten Landwirtschaft hätten wir automatisch trockene Ackerflächen und lebende Wälder“, stellt BUND-Vorstandssprecher Herwig Winter klar.

Was den von Willi Billau vorgeschlagenen Waldumbau auf trockenresistente Arten betrifft, so haben bisherige Versuche dazu sich zum einen als Fehlschlag herausgestellt, zum anderen sind sie zumindest in den durch das europäische Naturschutzrecht besonders geschützten FFH- und Vogelschutzgebieten gar nicht zulässig. Dort ist vielmehr die vorhandene Arten- und Altersklassenzusammensetzung der Wälder gesetzlich vorgeschrieben und aus Gründen des Naturschutzes unverzichtbar. Die von Willi Billau als Alternative zur Infiltration angesprochene Beregnung der Wälder werde am Runden Tisch hingegen geprüft, so der BUND. Allerdings sagen bisher alle Fachleute, dass diese Technik im Wald nicht funktioniere.

Weiterhin mit der Unterstützung durch den BUND kann Herr Billau allerdings rechnen, wenn sich der Bauernverband gegen Flächenfraß durch exzessiven Straßenbau wie die Umgehung von Rosengarten stark macht.