Mannheim Theresienkrankenhaus Stress Veranstaltung

Volles Haus bei einem wichtigen Thema: Stress und wie man ihn vermeidet. Foto: Theresienkrankenhaus Mannheim

(pm). Der Terminkalender ist voll gepackt, der Chef macht Druck und der Familienurlaub will noch geplant werden – Stress ist allgegenwärtig und evolutionär betrachtet sogar notwendig. Das erläuterte Prof. Dr. Markus Haass, Chefarzt der kardiologischen Abteilung des Mannheimer Theresienkrankenhauses, in der letzten Woche bei den „Herzensangelegenheiten“. Knapp 300 Gäste waren der Einladung zu dem öffentlichen Vortrag zum Thema „Stress – Wie finde ich die richtige Balance?“ gefolgt und lauschten den Referenten.

Prof. Haass führte mit seinem Vortrag in den Abend ein und zeigte, dass Stress dann zum gesundheitlichen Problem wird, wenn er nicht abgebaut werden kann. Stress könne grundsätzlich etwas Positives sein, da er den Körper in Alarmbereitschaft versetzt und auf etwaige gefährliche Situationen vorbereitet. Problematisch werde es erst, wenn ein Mensch unter chronischem Stress leidet, der permanent empfunden wird und dem man kein Ventil zum Abbau entgegensetzen kann. Dann kann der Stress zu Krankheiten führen: Bluthochdruck, Magengeschwüre bis hin zum Burnout-Syndrom sind weit verbreitete Zivilisationskrankheiten.

Eindrücklich berichtete Haass von einer 37-jährigen, kerngesunden, schlanken Frau, die mehrfach mit Brustschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Zahlreiche medizinische Untersuchungen brachten keinen Befund. Bis die Ärzte das „Broken Heart Syndrome“ diagnostizierten. „Dieses Phänomen, bei dem die Patienten die gleichen Symptome wie bei einem Herzinfarkt aufweisen, ist gar nicht selten“, führte Prof. Haass aus. Ausgelöst werden diese Symptome durch außergewöhnlichen Stress: Im Fall der jungen Frau hatte sie kurz zuvor vom Tod ihrer Schwester erfahren. Auch wenn das „Broken Heart Syndrome“ keine körperlichen Schäden nach sich zieht und nach einigen Tagen wieder völlig verschwindet, ist es in der akuten Situation lebensbedrohlich. „So ein Patient gehört auf die Intensivstation. Da sieht man, was Stress anrichten kann“, so der Chefarzt. Das bewies er auch anhand einer aktuellen Untersuchung aus Großbritannien: Macht ein Arbeitnehmer täglich drei bis vier Überstunden, erhöht sich sein Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen um 60 Prozent. Deshalb sei es sehr wichtig, Stress zu vermeiden oder abbauen zu können.

Um den Besuchern einige wirksame Tipps zur Stressvermeidung und Regulierung mit auf den Weg zu geben, zeigte Physiotherapeutin Sabine Karg mehrere Methoden zur Entspannung. Schon mit ruhigem Atmen kann man seinen Stresspegel deutlich reduzieren. Deshalb zeigte die Therapeutin Methoden der Bauchatmung und Wechselatmung, die innerhalb kurzer Zeit ihre entspannende Wirkung entfalten. Ebenfalls sehr populär ist die progressive Muskelentspannung, bei der verschiedene Körperpartien angespannt und entspannt werden. Bei ruhiger Musik und geschlossenen Augen übten sich die Besucher im Theresienkrankenhaus in Entspannung. Zum Ende gab Karg einen kurzen Einblick in das autogene Training, das ebenfalls zur Stressverminderung eingesetzt werden kann.

Neben diesen speziellen Techniken benannte Prof. Dr. Haass weitere effektive Methoden, die im Alltag zur Stressvermeidung wirken können: Sport wirke extrem gut, genau wie ein erfüllendes Hobby oder die Beschäftigung mit Musik. Wichtig sei es auch, Dinge, an denen man ohnehin nichts ändern kann, aus der Vogelperspektive zu betrachten und Umstände, die einen immer wieder stressen, anzupacken, auch mal Nein zu sagen.