Wenn der Körper die Notbremse zieht

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Wenn der Körper die Notbremse zieht

Für körperliche Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen, Atembeschwerden oder Schwindel finden Ärzte bei fast jedem fünften Patienten keine medizinische Ursache. Hier setzt die Multicenterstudie „encert“ an, die an sieben deutschen Universitäten durchgeführt wird. Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim leitet Prof. Josef Bailer, Stellvertretender Leiter der Hochschulambulanz für Psychologische Psychotherapie des Instituts für Neuropsychologie und Klinische Psychologie, das Teilprojekt. Ziel ist es, neue Psychotherapien für sogenannte somatische Belastungsstörungen zu entwickeln.

Vor allem bei Studierenden besteht ein großer psychologischer Versorgungsbedarf. Darauf wies u.a. eine 2008 an der Universität Mannheim durchgeführte Campus-Befragung hin. Nahezu jeder zehnte Student (von 1.130 Befragten) berichtete von körperlichen Beschwerden ohne medizinische Erklärung. Mehr als vier Prozent gaben an, unter Ängsten um die eigene Gesundheit zu leiden. Geprägt vom Leistungs- und Zeitdruck müssen Studenten außerdem mit den Konsequenzen des anhaltenden Stresses umgehen. Einerseits macht Stress krank, andererseits führt Kranksein – ob mit oder ohne medizinischen Hintergrund – zu vermehrtem Stress.

Welche Auswirkungen hat aber der anhaltende Stress auf die Gesundheit Studierender? Sei es der Rückzug von Freizeitaktivitäten, das Versäumen von Lehrveranstaltungen oder Krankmeldungen im Job – die Konsequenzen können sehr weitreichend sein und der Umgang mit ihnen weiteren Stress erzeugen, bis irgendwann der Körper die Notbremse zieht und einen die beschriebenen Symptome ausbremsen.

ZI bietet Therapieplätze für Betroffene

Derzeit wird deutschlandweit an verschiedenen Standorten eine psychotherapeutische Behandlung bei somatischen Belastungsstörungen angeboten, die bewährte verhaltenstherapeutische Methoden sowie neuere Strategien zum Umgang mit Emotionen beinhaltet. Die Behandlung ist in eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützte Therapiestudie eingebettet und soll zur Optimierung bereits bestehender Therapien beitragen.

In diesem Zusammenhang werden am ZI Therapieplätze für Betroffene zwischen 18 und 69 Jahren, die seit mindestens sechs Monaten unter drei oder mehr körperlichen Beschwerden ohne medizinische Ursache leiden, angeboten.

Interessenten können sich melden unter:
Telefon 06 21/17 03-61 59 oder
encert@zi-mannheim.de

By |Donnerstag, 9. April 2015|