Prof. Dr. Dierk Thomas

Prof. Dr. Dierk Thomas, Oberarzt der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Bei vielen Herzrhythmusstörungen kann ein spezielles Katheterverfahren helfen, bei dem Kardiologen kritische Bereiche innerhalb des Herzens veröden. Wie es funktioniert und für wen es in Frage kommt, erklärt der Kardiologe Prof. Dr. Dierk Thomas bei „Medizin am Abend“ am 16. März 2016 in Heidelberg.

Es gibt viele Arten von Herzrhythmusstörungen – einige sind nur unangenehm, andere schädigen auf Dauer das Herz, wieder andere sind lebensgefährlich. Ist eine Behandlung angezeigt, profitieren viele Patienten seit einigen Jahren von einem effektiven wie schonenden Verfahren, der sogenannten Katheterablation. „Besonders beim häufigen Vorhofflimmern und bestimmten Formen von Rhythmusstörungen der Herzkammern ist ein solcher Kathetereingriff inzwischen Routine“, erklärt Prof. Dr. Dierk Thomas, Oberarzt der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. „Das ist ein großer Gewinn für Patienten, denen Medikamente nicht ausreichend helfen. Welche Herzrhythmusstörungen durch das Katheterverfahren geheilt werden können, wie es genau funktioniert und welche Therapieoptionen sonst zur Verfügung stehen, erklärt der Kardiologe in seinem Vortrag bei „Medizin am Abend“ am Mittwoch, 16. März 2016, in Wort und Bild. Der Vortrag beginnt um 19.00 Uhr im Hörsaal der Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, in Heidelberg.

Deutschlandweit leiden schätzungsweise mehrere Millionen Menschen an Herzrhythmusstörungen. Das reicht vom meist harmlosen Herzstolpern, sogenannten Extrasystolen, bis hin zum lebensgefährlichen Kammerflimmern. Die häufigste anhaltende Rhythmusstörung vor allem bei älteren Menschen ist das Vorhofflimmern. Dabei kommt es zu sehr rasch aufeinander folgenden elektrischen Impulsen vom Vorhof an die Herzkammer. Das Herz schlägt unregelmäßig und unkoordiniert. Teilweise bleibt das Vorhofflimmern unbemerkt, es kann aber auch Herzrasen sowie Schwindel, Luftnot und Schwäche verursachen. Typisches Zeichen ist ein unregelmäßiger Puls. Da die Rhythmusstörung auf Dauer das Herz schädigen kann und zudem das Risiko für einen Schlaganfall erhöht, sollte dringend behandelt werden. Zunächst mit Medikamenten, die den Herzrhythmus stabilisieren und das Blut verdünnen. Viele Patienten kommen damit gut klar.

3D-Modelle des Herzens

„Treten die Beschwerden immer wieder auf oder ist die bisherige Behandlung nicht effektiv, ist die Katheterbehandlung häufig die Therapie der Wahl“, so Thomas. „Damit gelingt es in der Regel, den Auslöser der Rhythmusstörung dauerhaft auszuschalten.“ Dazu schieben die Kardiologen einen dünnen Katheter über die Leistenvene bis ins Herz vor und veröden dort gezielt die Strukturen, die die unregelmäßigen Schläge auslösen. Blutverdünnende Medikamente müssen die Patienten aber zur Sicherheit und Vorbeugung eines Schlaganfalls weiterhin einnehmen. Auch junge Patienten, die unter häufigem, zeitlich begrenztem Herzrasen, einer bestimmten Form der Vorkammerrhythmusstörung, leiden, profitieren von dem schonenden Verfahren: Sie benötigen nach einer erfolgreichen Katheterablation meistens keine Medikamente mehr, ihr Herz arbeitet wieder normal und ohne Einschränkungen. Außerdem besteht seit wenigen Jahren auch die Möglichkeit, potenziell lebensbedrohliche Kammerrhythmusstörungen bei Patienten, deren Herz bereits durch eine andere Erkrankung geschwächt ist, mit einem Kathetereingriff zu unterdrücken.

„Die Entscheidung, welche Behandlungsmethode zum Einsatz kommt, treffen wir immer individuell, je nach Beschwerden, begleitenden Erkrankungen und Wünschen des Patienten“, so der Kardiologe. „Im Vorfeld muss präzise abgeklärt werden, um welche Form von Herzrhythmusstörungen es sich handelt und wie gefährlich diese ist. Denn die Katheterablation eignet sich nicht für alle Patienten.“ Am Universitätsklinikum Heidelberg führt das spezialisierte Ärzteteam um Prof. Thomas jährlich rund 700 solcher Eingriffe durch. Dazu steht modernste Technik zur Verfügung: So werden bei komplexeren Herzrhythmusstörungen moderne Computerverfahren eingesetzt, mit deren Hilfe die Herzhöhlen gescannt und dreidimensionale Modelle für die Eingriffsplanung erstellt werden können.