Heidelberg Bahnstadtrundgang

Passivhaus-Experten informierten sich in Heidelberg. Foto: Buck

Die Heidelberger Bahnstadt war ein Exkursionsziel des weltweit größten Treffens von Passivhaus-Experten. 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 17. Internationalen Passivhaustagung in Frankfurt am Main waren am 21. April 2013 zu Gast und haben sich vor Ort über den Stadtteil informiert, der zu den weltweit größten Passivhaussiedlungen zählt. „Die Vorteile des energieeffizienten Bauens setzen sich in immer mehr Städten durch, dass aber gleich ein kompletter Stadtteil im Passivhaus-Standard gebaut wird, ist einmalig“, so Prof. Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Darmstädter Passivhaus Instituts über die Bahnstadt.

Experten des Heidelberger Amtes für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie führten die internationalen Gäste in zwei Gruppen durch die Bahnstadt – von Musterwohnungen für studentisches Wohnen über die Kindertagesstätte Schwetzinger Terrasse zum Büro- und Laborgebäude „Skylabs“.

Einzigartiges Energiekonzept

Mit ihrem bundesweit einzigartigen Energiekonzept stellt die Bahnstadt die Weichen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Umweltressourcen: Die Bewohner wie auch die dort angesiedelten Unternehmen tragen nachhaltig zum Klimaschutz bei und sparen zugleich Energiekosten. Die Bebauung des gesamten Stadtteils im Passivhausstandard verspricht niedrigen Energieverbrauch und eine Verringerung des Kohlendioxid-Austoßes. Mittelfristig ist die hundertprozentige Versorgung aus regenerativen Energien geplant. Dazu wird derzeit ein Holz-Heizkraftwerk durch die Stadtwerke Heidelberg gebaut.

Als weltweit größtes Passivhaus-Areal hat die neu entstehende Bahnstadt eine Vorreiterrolle in puncto ökologischer Verantwortung. So gilt die Passivhaus-Bauweise als Standard für den gesamten Stadtteil, ein bislang einzigartiges Vorhaben, nicht nur in Deutschland. Mit dem neuen Stadtteil hat die Stadt Heidelberg ein in vielerlei Hinsicht herausragendes Klimaschutzprojekt auf den Weg gebracht, das in Fachkreisen weltweit Beachtung findet. Das Konzept wurde schon mehrfach auf internationalen Klimaschutzkonferenzen vorgestellt, etwa bei der Rio+20 Konferenz oder den Treffen der C 40 – der 40 größten Städte der Welt. Fachpublikum wie Stadtplaner aus allen wachsenden Regionen wie Asien und Südamerika, aber auch Vertreter der Wirtschaft, Bürger oder Touristengruppen besuchen die Bahnstadt, um sich über die umweltgerechte Stadtentwicklung zu informieren. Das Energiekonzept setzt sich aus folgenden Bausteinen zusammen:

Effizienter Baustandard

Passivhäuser machen sich gleich mehrfach bezahlt. Zukunftsweisende Baukonzepte und energieoptimierte Technologien sparen Energie, erhöhen den Wohnkomfort und sichern den Werterhalt der Gebäude auf lange Sicht. Die Bewohner profitieren von deutlich niedrigerem Energieverbrauch und sind langfristig unabhängiger von der Entwicklung der Energiepreise. Gleichzeitig leisten sie damit einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz.

Optimierte Energieversorgung

Um den verbleibenden Energiebedarf so ökologisch und wirtschaftlich wie möglich zu decken, erfolgt die Wärmeversorgung der Bahnstadt über einen Anschluss an die Fernwärme der Stadtwerke Heidelberg. Mittels Fernwärme-Mininetzen je Baufeld werden die Netztemperatur niedrig gehalten, Leitungsverluste minimiert und die Anschlussleistung gegenüber einer klassischen Einzelanbindung jedes Gebäudes deutlich reduziert.

Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen

Die Fernwärme wird heute schon zu über 90 Prozent Kraft-Wärme-gekoppelt erzeugt. Daneben wird der Einsatz thermischer Solaranlagen für die Warmwasserbereitung unterstützt. Darüber hinaus baut die Stadt Heidelberg gemeinsam mit den Stadtwerken bis Ende 2013 ein Holz-Heizkraftwerk. Dieses Kraftwerk produziert künftig so viel Energie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, dass damit die gesamte Bahnstadt mit Wärme und Strom versorgt wird. Die Bahnstadt wird somit bilanziell zu einem der größten Null-Emissions-Stadtteile in Europa.

Stromsparkonzept

Für alle Gebäudenutzer ist neben der Gebäudeeffizienz die Stromeffizienz entscheidend. Die Ausstattung mit effizienten Geräten senkt nicht nur den Anteil des Stromverbrauchs an der Gesamtbilanz des Gebäudes und spart dadurch Geld. Sie leistet zudem einen wichtigen Beitrag zum sommerlichen Wärmeschutz, indem interne Wärmequellen reduziert werden.

Die Bahnstadt ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland. Mit ihr hat die Stadt Heidelberg ein herausragendes Klimaschutzprojekt auf den Weg gebracht. Für den gesamten Stadtteil gilt die Passivhaus-Bauweise als Standard. Der verbleibende Energiebedarf wird fast vollständig aus regenerativen Energien gedeckt. Das Areal ist mit 116 Hektar größer als die Heidelberger Altstadt.

Weitere Informationen:
www.heidelberg-bahnstadt.de