Veggies

Das Veggie-Team. Foto: Stadt Weinheim

(pm). Zu viel Fleisch ist ungesund. Wer zu oft und zu viel Fleisch isst, trägt außerdem zu den schädigenden Auswirkungen auf das Weltklima und die -ernährung bei. Und wer gleichgültig in die Fleischtheke greift, beteiligt sich rasch an unwürdiger Tierhaltung. Das sind Erkenntnisse, denen niemand widerspricht. Und dennoch: konzertierte Aktionen in Städten und Gemeinden um weniger Fleisch zu konsumieren, sind selten. Knapp 30 Kommunen in Deutschland haben mittlerweile ein stadtweites Projekt gestartet, um den Fleischverbrauch zu reduzieren und Lust auf vegetarisches Essen zu wecken: einen so genannten „Veggie-Tag“.

Magdeburg, Freiburg und Karlsruhe machen es, die Nordsee-Insel Juist macht es, aber auch der ganze Landkreis Rotenburg in Niedersachsen. Weinheim will nun als erste mittelgroße Stadt nachziehen. Seit ein paar Wochen arbeitet eine Gruppe von ernährungsbewussten Bürgern der Stadt an einem Konzept für ein „Veggie-Projekt“. Die Idee hat bereits Kreise gezogen: Die Bürgerstiftung Weinheim mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Dr. Adalbert Knapp hat den „Veggie-Tag“ auf die Liste ihrer Förderprojekte gesetzt. Die Schirmherrschaft haben Landrat Stefan Dallinger und Oberbürgermeister Heiner Bernhard übernommen. Wolfgang Fuchs („Fuchs’sche Mühle“) als örtlicher Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA, ist von der Idee begeistert und verbreitet sie an alle kochenden Kollegen weiter. Die Marktplatz-Gastronomie hat ihre Mitwirkung bereits angekündigt. In der „Alten Druckerei“ widmet sich das renommierte „Kochforum“ an einem Abend im Frühjahr 2013 live der vegetarischen Küche. Bei Kabarettist und Moderator Franz Kain schwingen Charly Ofenloch („Tafelspitz“), Daniel Heinzmann („Restaurant Salazar“) und Peter Gärtner („CACAO“) ganz ohne Fisch und Fleisch den Kochlöffel. Der Abend ist der Vorgeschmack auf die „Veggie-Premiere“. Aufgetischt werden u.a. eine „Trilogie von Roter Bete an Kräuterschmand“, eine „Süßkartoffelsuppe im Brotlaibchen“ und ein „Apfel-Karotten-Küchlein mit flüssigem Schokoladenkern“.

„Es ist schnell eine richtige Bewegung geworden“, freut sich Wolfgang Zotz, Sprecher des „Veggie-Teams“. Es besteht außerdem aus Gerhard Däublin, Aloisia Föllmer, Katja Görtz, Roland Kern, Gerti Neu, Jürgen Osuchowski und Ulrike Stein. Roland Kern, der städtische Pressesprecher, sieht in einem „Veggie-Tag“ durchaus eine Chance für die regionale Ausstrahlung der Weinheimer Gastronomie in die Metropolregion Rhein-Neckar. Andere „Veggie-Städte“ haben die Erfahrung gemacht, dass sie mit besonderen vegetarisch-kulinarischen Angeboten Gäste anlocken und für ein frisches und gesundes Image werben können.

Als erster „Weinheimer Veggie-Tag“ steht der Donnerstag, 14. März 2013, fest. Das „Veggie-Team“ führt jetzt schon Gespräche mit Großküchen, Kantinen, Caterern und Gastronomen, dass sie an diesem Tag – und dann jede Woche am Donnerstag – entweder komplett oder zumindest überwiegend vegetarische Gerichte und Menüs anbieten. Jeder Privathaushalt ist natürlich auch aufgerufen, sich der Bewegung anzuschließen. Bis jetzt habe man überall offene Türen aufgestoßen, freut sich Wolfgang Zotz. Schließlich richte sich der „Veggie-Tag“ gegen niemanden, er solle auch nicht als erhobener Zeigefinger gegen den Fleischkonsum selbst verstanden werden. Schon jetzt verzichten rund 52 Prozent der Deutschen ein- oder mehrmals in der Woche auf Fleisch – freilich keineswegs auf Genuss.

Weitere Informationen: Telefon 0 62 01/6 87 63 79 und

www.weinheim.de