Weinheim: Landratsamt, Stadt und BI „Rettet den Wachenberg“ an einem Tisch

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Weinheim: Landratsamt, Stadt und BI „Rettet den Wachenberg“ an einem Tisch

Weinheim Steinbruch

Foto: Maria Zimmermann

(pm). Es war auch schon mal anders, deutlich explosiver und mit verbalem Steinschlag verbunden. Dabei ging es hauptsächlich um Schriftsätze, Lagepläne und Sprengprotokolle. Auch bei einem aktuellen klärenden Gespräch im Weinheimer Rathaus ging es um das zukünftige Vorgehen beim Weinheimer Steinbruch und die Abbautätigkeiten der Porphyrwerke Weinheim-Schriesheim (PWS). Dazu trafen sich jetzt die Vertreter des Heidelberger Landratsamtes und der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Wachenberg“ im Weinheimer Rathaus.

In der Vergangenheit war der Kreisbehörde von der BI immer wieder Untätigkeit vorgeworfen worden. „Wir haben uns vorgenommen, unterschiedliche Auffassungen und Sichtweisen besser im persönlichen Gespräch zu klären“, betonte Joachim Bauer, der als Erster Landesbeamter und Stellvertreter von Landrat Stefan Dallinger nach Weinheim gekommen war. Für Gunda Krichbaum, Elisabeth Kramer, Gisela Schmitt und Willy Welti als Sprecher der BI war bei diesem schwierigen Thema wichtig, dass der Kreis kompetent vertreten war: Neben Bauer (früher selbst Dezernent für Umwelt und Technik), saßen dessen Nachfolger Stefan Hildebrandt und Dr. Norbert Kunz, der Leiter des zuständigen Fachamtes, am Tisch. Seitens der Stadt Weinheim nahmen Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner und Sven-Patrick Marx als Leiter des Amtes für Stadtentwicklung an dem Gespräch teil.

Die BI hielt mit ihren Bedenken und Befürchtungen nicht hinterm Berg. Die PWS riskiere – möglicherweise bewusst – weitere Hangrutschungen, um sich somit weitere Abbaukapazitäten zu erschließen. Damit, so die Sorge, könnten Tatsachen geschaffen werden, die der aktuellen Bauleitplanung der Stadt Weinheim widersprechen. Zum Hintergrund: Die Stadt hat die Bergsilhouette des Wachenbergs und damit das Landschaftsbild mit Hilfe eines Bebauungsplanes gesichert, der allerdings von der PWS sowie der Gemeinde Hirschberg als Eigentümerin des Steinbruchgeländes aktuell vor dem VGH beklagt wird. Unabhängig davon gelten für die PWS die genehmigten Abbaugrenzen aus dem Jahr 1983. „Der Steinbruch insgesamt ist stabil bis auf kleine Schüttungen“, fasste Elisabeth Kramer zusammen. Damit sei nach Einschätzung der BI auch die Kuppe auf Dauer gesichert. Generell müsse die PWS eine maximale Steilheit von 50 Grad einhalten, das bestätigte auch Fachamtsleiter Dr. Norbert Kunz. Er bestätigte zudem, dass diese Bedingung vor jeder Sprengung geprüft werde. „Wir lassen uns kein X für ein U vormachen“, betonte er. Geplant seien zurzeit noch Sprengungen im Bereich der Fledermausstollen. Untersuchungen zeigten, dass diese Sprengungen keinen messbaren Einfluss auf die Winterruhe der Fledermäuse hätten. Zudem werde jede Sprengung der Überwachungsbehörde vorher angezeigt und auf ihre Genehmigungskonformität geprüft. Kunz betonte: „Wir werden nicht hinters Licht geführt.“

Demgegenüber betonte Elisabeth Kramer, dass es auch schon die BI war, die das Landratsamt auf nicht bekannte Abbautätigkeiten hingewiesen habe. Das Landratsamt bestätigte seinerseits, auch gegen einen von der PWS beabsichtigten tieferen Abbau eingeschritten zu sein – nachdem die BI informiert hatte. Auf der Westseite hin zur Wachenburg stehe der Hang flacher und sei nicht rutschungsgefährdet. In diesem Bereich werde auf der tiefsten Sohle nach wie vor gearbeitet. Durch kleine Rutschungen entstehen an den Bermen immer wieder Schuttkegel, die durch natürliche Sukzession mit Pflanzen bewachsen und dadurch befestigt werden. Ihre Beseitigung führt nach Meinung der Porphyrwerke und auch des Landratsamtes durchaus zur Arbeitssicherheit in den unteren Steinbruchbereichen. Dem widerspricht die BI, die hier die Stabilität in Gefahr und das Nutzungsinteresse im Vordergrund sieht. Die Vertreter des Landratsamtes betonten aber ausdrücklich, dass hier den Belangen der Arbeitssicherheit absoluter Vorrang einzuräumen sei. Die BI kündigte an, dass sie in ihrer Wachsamkeit vor Ort nicht nachlassen werde. Indessen bestätigte Dezernent Stefan Hildebrandt: „Wenn es Grund zur Annahme gibt, dass etwas Unrechtmäßiges geschieht, werden wir wie bisher konsequent handeln.“

By |Mittwoch, 11. Juli 2012|