(pm). Die Vorstellung ist faszinierend: Pro Jahr könnten in Weinheim fast 30.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden: z.B. durch Effizienzmaßnahmen (z.B. Nahwärmenetze, Blockheizkraftwerke, Erdgasfahrzeuge und Gaskessel statt Nachtstromöfen), aber auch durch die Produktion Erneuerbarer Energien (Windkraft, Photovoltaik, Solarthermie, Pelletheizungen u.a.).

Ein Parallelwert zur Kohlendioxid-Einsparung dürfte für die stets klammen Kommunen mindestens genauso verlockend sein. Durch reduzierte Energiekosten könnten künftig enorme Summen gespart werden. Drei dezentrale Kraftwerke – erst einmal amortisiert – bringen seinem Betreiber im Vergleich zur herkömmlichen Stromversorgung so genannte „Kohlendioxid-Vermeidungskosten“ von 195 Euro pro Tonne. Unvorstellbar? Nein. In Neuwied (Rhein) gibt es diese ziemlich exakten Vorgaben schon. Dort wurde die Enerko Beratungsgesellschaft schon früher engagiert als jetzt in Weinheim. Und dort wurden diese Werte mittlerweile seriös ermittelt. In Weinheim geht es jetzt los.

Zwei bis drei Monate für Datenerhebung und Bestandsaufnahme

Mit rund 40 Besuchern gut besucht war jetzt die Auftaktveranstaltung, die als Startschuss in das erste kommunale Klimaschutzkonzept der Stadt zu betrachten ist. Die Mitarbeiter der Enerko-Gruppe stellten sich und ihre Vorgehensweise vor. Die nächsten zwei bis drei Monate dienen nun der Datenerhebung und Bestandsaufnahme, über Winter werden ein Maßnahmenkatalog und ein Umsetzungskonzept erarbeitet, stets in Abstimmung mit der Stadtverwaltung, dem dort tätigen kommunalen Energieteam und dem Runden Tisch Energie. Dies alles werde von Workshops und öffentlichen Veranstaltungen begleitet, versicherte Sebastian Kroemer, der für die Enerko das Projekt vorstellte. „Wir wollen ermitteln“, fasste Enerko-Geschäftsführer Herbert Freischlad zusammen, „wo in Weinheim die spannendsten Themen liegen und wo am meisten zu bewegen ist“.

Insgesamt erscheinen rund 40 Prozent Kohlendioxid-Einsparung bis ins Jahr 2030 möglich. Das enstpricht auch dem Klimaschutzziel der Bundesrepublik. In seiner Begrüßung konnte Weinheims Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner berichten, dass Weinheim beim Klimaschutz bereits Erfolge vermelden kann. Er nannte dabei u.a. den Gemeinderatsbeschluss, komplett auf Ökostrom umzusteigen, aber auch die Energieberatungen, das Energieteam, den Runden Tisch Energie, den Ausbau von Photovoltaik, weitere Anlagen für Erneuerbare Energien und das neue Nahwärmeprojekt in Rippenweier. Auch Dr. Alexander Boguslawski konnte auf erste Erfolge des Runden Tisch Energie verweisen, der ständigen Bürgerbeteiligung zum kommunalen Klimaschutz.

Fast neun Prozent des Strom- und fünf Prozent des Wärmemarktes werden derzeit aus Erneuerbaren Energien gedeckt

„Weinheim befindet sich auf gutem Weg“, berichtete Fetzner und bekam dabei Unterstützung der Enerko. Knapp neun Prozent des Stromabsatzes in Weinheim werde bereits aus Erneuerbaren Energien gedeckt, so wurde ermittelt, ebenso rund fünf Prozent des Heizenergiemarktes. Freischlad: „Weinheim hat hier nicht die beste, aber auch nicht die schlechteste Bilanz.“ Das Land Baden-Württemberg allerdings, hinke im Bundesdurchschnitt hinterher.

Für Weinheim konnten die Ingenieure der Enerko schon konkrete Handlungsfelder nennen. Welche Einsparungen auf dem Wärme- und Strommarkt, aber auch an ganz konkreten Gebäuden möglich sind, ob Erneuerbare Energien genutzt werden können, wo ein Blockheizkraftwerk möglich ist, ob die Straßenbeleuchtung effizienter werden kann – überall wird geprüft, ob Einsparungen von Treibhausgas und Geld möglich sind; und das nicht nur bei öffentlichen Gebäuden (wo bereits erste Untersuchungen begonnen haben), sondern auch bei den Haushalten und der Industrie. Letztlich, so Herbert Freischlad, müsse man die Öffentlichkeit und damit jeden Konsumenten mit Einsparungen locken. „Meine Lebenserfahrung sagt mir“, berichtete Herbert Freischlad, „dass man Klimaschutz nur über den Geldbeutel steuern kann“. Über Zwischenergebnisse soll die Öffentlichkeit in kurzen Zeitabständen informiert werden.