Dauerstress erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Experten raten zur Stressbewältigung

Bluthochdruck ist eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland und weltweit, mit katastrophalen Folgen (z.B. Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen). Für die Vorbeugung und die Therapie des Bluthochdrucks sind nicht nur Blutdruckmedikamente, sondern ein gesunder Lebensstil von großer Bedeutung. Dauerstress wird als bedeutsamer Risikofaktor für Bluthochdruck und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall angesehen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Stress zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt. Allerdings ist Stress nicht grundsätzlich etwas Schlechtes für den Menschen. Für blitzschnelles Reagieren in Belastungs- und Gefahrensituationen setzt der menschliche Organismus Stresshormone (Adrenalin und Noradrenalin) frei, die den Herzschlag beschleunigen, den Blutdruck erhöhen oder die Atmung anregen.

Dauerstress macht krank

„Stress ist die Anpassungsreaktion des Körpers auf die Kräfte, die aus seiner Umwelt auf ihn einwirken. Der Mensch braucht Stress, um die Anforderungen, die an ihn gestellt werden, zu bewältigen. Anspannung gehört zum Leben, ihr muss aber Entspannung folgen“, betont Prof. Dr. med. Karl-Heinz Ladwig, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. Ladwig ist Professor für Psychosomatische Medizin und Medizinische Psychologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München und am Institut für Epidemiologie des Helmholtz-Zentrums München. „Chronischer Stress, dem keine Entspannung folgt, macht krank, da man durch ihn leicht in Verhaltensweisen hineinschlittert, die die Gesundheit ruinieren: Man greift zur Zigarette, man isst sich aus Frust Übergewicht an, man trinkt zu viel Alkohol“, sagt Prof. Ladwig. Wie aber tragen psychische Prozesse dazu bei, dass sich ein Bluthochdruck entwickelt und auf Dauer bleibt?

Einzelne Blutdruckerhöhungen hat die Natur vorgesehen. So sorgen in einer kurzfristigen Stresssituation Anpassungsmechanismen für ausreichend Blutdruck, um Muskeln und Organe mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen. Hier spielt das autonome Nervensystem eine wichtige Rolle, das eine sofortige Anpassung der Herzfrequenz, der Pumpleistung des Herzens und der Einstellung des Widerstands in den großen Gefäßen, bewirkt.

Der Körper reagiert: Gefäße verändern sich

Stressbedingt führt die dauerhafte Überaktivierung des autonomen Nervensystems zu einer Steigerung der Herzleistung und zur Erhöhung des Blutdrucks. Der Körper reagiert auf diese nervös bedingte Steigerung auf Dauer mit einem Umbauprozess der Gefäßwand, die zur Steifheit der Gefäße führt. „Gegen diese Gefäßveränderungen, die wiederum zu einem vermehrten Widerstand des Gefäßsystems führen, muss das Herz anpumpen – ein fataler Teufelskreis“, erklärt Prof. Ladwig. „Denn der Körper möchte sein inneres Gleichgewicht durch Veränderung erreichen und mit seiner Reaktion auf eine Belastung für ein weiteres Funktionieren sorgen. Durch diese Anpassungsreaktion stellt sich der Organismus auf das veränderte Stressniveau ein: Der Zustand der Hochspannung wird zur Normalität.“ Hat sich der Körper auf das erhöhte Niveau eingestellt, ist der Bluthochdruck auf Dauer mit eigenen Mitteln, d.h. allein mit Entspannungstechniken gegen den Stress, nicht mehr zu senken. Medikamente werden i.d.R. für die Behandlung notwendig.

Stressbewältigung ist wichtig

Allerdings lohnt sich Stressbewältigung, weil dadurch die Blutdrucksenkung schonender, d.h. mit weniger Medikamenten und Nebenwirkungen erreicht werden kann. Prof. Ladwig empfiehlt, den eigenen Alltag aus großer Distanz – sozusagen mit Adlerblick – genau anzusehen und zu hinterfragen. Auch kann intensive Bewegung viel zur Entspannung beitragen. Ebenso selbst gewählte packende Aktivitäten (z.B. Konzerte, Filme, ins Theater gehen). „Am besten ist es allerdings, mit Stress umgehen zu lernen, bevor sich hoher Blutdruck entwickelt. Gegen die zerstörerischen Folgen des modernen Lebens ist ein ausbalancierter Lebensstil mit viel Sport, gesunder Ernährung und Zeit für Entspannung eine gute Versicherung“, so Prof. Ladwig.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung vom 15. Dezember 2011