Sinsheim: Speziell ausgestattetes Palliativzimmer der GRN-Klinik bietet schwerstkranken Patienten mehr Autonomie

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Sinsheim: Speziell ausgestattetes Palliativzimmer der GRN-Klinik bietet schwerstkranken Patienten mehr Autonomie

Palliativzimmer GRN Klinik Sinsheim

v.l.: Dr. med. Bärbel Kuhnert-Frey, Martin Hildenbrand, Claire Manuela Baer und Dr. med. Johannes Berentelg eröffneten gemeinsam das neu eingerichtete Palliativzimmer. Foto: GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar

(pm). „Die Familie ist am Ende des Lebens genauso wichtig wie am Anfang.“ Mit diesem Satz lieferte Dr. med. Bärbel Kuhnert-Frey, Vorsitzende der Initiative Palliativ-Versorgung Sinsheim e.V., eine wichtige Begründung für die Einrichtung eines Palliativzimmers in der GRN-Klinik Sinsheim. Am 16. Juli 2012 wurde ein solcher Raum seiner Bestimmung übergeben, dessen speziell auf schwerstkranke und sterbende Patienten ausgerichtete Ausstattung durch Spenden im Gesamtwert von rund 3.500 Euro finanziert wurde. Klinik-Betriebsleiter Martin Hildenbrand bedankte sich bei Dr. Kuhnert-Frey, Schriftführerin Antje Hilbert und weiteren Vereinsmitgliedern, die in der Bevölkerung gesammelt und sich um die Renovierung und Einrichtung des neuen Palliativzimmers gekümmert hatten. Unterstützt wurden sie dabei von zahlreichen Mitarbeiterinnen der GRN-Klinik, allen voran Pflegedienstleiterin Claire Manuela Baer, Stationsleiterin Sabine Wohlgemuth sowie den Oberärztinnen der Anästhesie und Intensivmedizin, Dr. med. Maria Daub-Verhoeven und Dr. med. Damaris Köhler.

Dass auch bisher in der GRN-Klinik Sinsheim schon Palliativpatienten professionell versorgt wurden, machte der internistische Chefarzt und stellvertretende Ärztliche Direktor Dr. med. Johannes Berentelg in seiner Ansprache deutlich: „Natürlich versuchen wir als Ärzte und Pflegepersonal alles, um die uns anvertrauten Menschen zu heilen. Wenn dies nicht mehr möglich ist, möchten wir dazu beitragen, ihnen den Abschied aus dem Leben so erträglich wie möglich zu machen.“ Dazu gehört neben einer individuell angepassten Schmerztherapie beispielsweise die seelsorgerische Betreuung sowie die Möglichkeit, sich auch im Krankenhaus mit engen Vertrauten austauschen und zurückziehen zu können. Dafür standen auch bisher schon – und stehen weiterhin – zwei Einzelzimmer zur Verfügung, die jedoch zu klein sind, um die neu angeschaffte Spezialausstattung aufnehmen zu können.

Warme Farben, Kuscheldecken und ansprechende Bilder sorgen für ein angenehmes Ambiente

Das neue Zimmer, erklärt Pflegedienstleiterin Baer, war ursprünglich als Doppelzimmer konzipiert und wird ab sofort für Palliativpatienten als Einzelzimmer genutzt. Dadurch ist, neben dem Pflegebett und einer geräumigen Nasszelle, ausreichend Platz für einen Ruhesessel mit Fußstütze, eine Leselampe sowie einen so genannten Palliativwagen. Letzterer ist ein speziell von der Kraichgau-Werkstatt angefertigter, fahrbarer Beistellschrank, der u.a. Platz für Kaffeemaschine, Wasserkocher, Kühlschrank und Musikanlage bietet. „Dadurch erhalten die Patienten und ihre Angehörigen mehr Autonomie, als ihnen ein normales Krankenhauszimmer bieten kann“, erläutert Bärbel Kuhnert-Frey. „Sie können nach Belieben gemeinsam Musik hören, Kaffee kochen, Besucher bewirten – unabhängig vom alltäglichen Stationsbetrieb.“ Warme Farben, Kuscheldecken und ansprechende Bilder der Waibstadter Künstlerin Irene Suppinger sorgen für ein angenehmes Ambiente. Der Ruhesessel kann sowohl von Patienten als auch von Angehörigen genutzt werden, die längere Zeit mit dem schwerkranken Menschen verbringen und sich zwischendurch ausruhen möchten.

Weitere Palliativzimmer – und eine noch bessere Versorgung – sollen folgen

Das neue Palliativzimmer ist nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer noch besseren Versorgung schwerstkranker Menschen in der GRN-Klinik Sinsheim. „Wir wollen ein festes Palliativ-Team etablieren, bestehend aus Palliativmedizinern, Palliativ-Pflegekräften, Seelsorgern und einem Psychologen oder Psychotherapeuten“, skizziert Dr. Johannes Berentelg die weiteren Ziele. Mit dem geplanten Erweiterungsbau wird sich die räumliche Situation in der Klinik verbessern, so dass innerhalb der nächsten Jahre voraussichtlich weitere Palliativzimmer geschaffen werden können. Allerdings, so betont Dr. Kuhnert-Frey, ersetze das Krankenhauszimmer niemals das zu Hause; die Verantwortlichen in Medizin und Pflege seien daher stets bestrebt, die Patienten so zu behandeln und ihren Gesundheitszustand so zu stabilisieren, dass sie nach Hause entlassen werden und, wenn sie es wünschen, dort auch sterben können. In diesem Kontext sei auch die Zusammenarbeit mit den ambulanten Palliativdiensten und den stationären Hospizen von besonderer Bedeutung. Doch ist – u.a. durch die fruchtbare Kooperation der Initiative Palliativ-Versorgung und der GRN-Klinik Sinsheim – der Aufenthalt im Krankenhaus auch am Lebensende eine Alternative, die heute niemandem mehr Angst machen muss.

By |Dienstag, 24. Juli 2012|