Rheinland-Pfalz Brutvögel Pressekonferenz

Pressekonferenz mit der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken und Ludwig Simon, Hauptautor „Rote Liste Brutvögel“. Foto: Umweltministerium Rheinland-Pfalz

„Knapp 50 Prozent der Vogelarten, die in Rheinland-Pfalz brüten, sind gefährdet. Schwalbe, Spatz oder Feldlerche – besonders diese Arten, die jedes Kind kennt oder kannte, haben sich alarmierend verringert. Ihr Bestand ist in den letzten 25 Jahren um etwa die Hälfte zurückgegangen“, teilte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken am 22. Oktober 2014 das Ergebnis der neuen ‚Roten Liste der Brutvögel in Rheinland-Pfalz‘ mit. Die letzte Rote Liste zur Vogelwelt erschien 1990. Seitdem haben sich die Vogelbestände deutlich verschlechtert.

15 Prozent der Brutvögel vom Aussterben bedroht

15 Prozent der Brutvögel sind vom Aussterben bedroht, weitere neun Prozent stehen als „Anwärter“ auf der Vorwarnliste. „Die Roten Listen sind ein Spiegel für den Zustand unserer Umwelt“, sagte Höfken. So seien vor allem Vögel gefährdet, die an landwirtschaftlich genutzte Flächen gebunden sind. „Ackerbewohner wie die Feldlerche kommen mit dem intensiven Ackerbau nicht zurecht. Es fehlen Insekten als Nahrung, Graswege, Brachen und Wiesen“, so Höfken. Zudem nehme das Grünland permanent ab und damit der Lebensraum von Braunkehlchen oder Wiesenpieper.

Den Vogelarten gehe auch Lebensraum verloren, der durch kleinbäuerliche Strukturen oder Nischen in Wohnsiedlungen entsteht. „Der Spatz findet keine Möglichkeit, am Hühnerstall mitzupicken und kaum noch Nistmöglichkeiten in aufgeräumten Höfen und Siedlungen. Die Rauchschwalbe finde keine Ställe für ihre Nester. An modernen Wohnhäusern halten Mehlschwalbennester schlecht oder werden illegal entfernt, weil sie die Fassaden beschmutzen“, führte die Ministerin aus.

Positive Nachrichten aus der Vogelwelt

Es gibt aber auch positive Nachrichten. Viele ehemals gefährdete Großvogelarten konnten dank gesetzlicher Schutzbemühungen aus der Liste gefährdeter Vögel entlassen werden. „Uhu, Wanderfalke, Steinkauz oder Schwarzstorch profitieren von Regelungen wie dem Bejagungsverbot, dem Verbot von Pflanzenschutzmitteln wie DDT oder von Artenschutzmaßnahmen und Projekten“, so Höfken.

Neben Schutzmaßnahmen vor allem Landwirtschaft wesentlich für Artenvielfalt

Die Rote Liste zeige, dass neben gezielten Schutzmaßnahmen vor allem der Beitrag der Landwirtschaft wesentlich für die Artenvielfalt sei. „Deshalb unterstützen wir eine bäuerlich strukturierte Landwirtschaft“, betonte Höfken. Förderschwerpunkt dabei sei das Agrarumweltprogramm „EULLa“. Damit werden Landwirte unterstützt, die besonders naturverträglich wirtschaften. Im Erfolgskonzept „Partnerbetrieb Naturschutz“ integrieren die Bauern den Artenschutz in ihre Arbeit. Das können Blühstreifen am Feldrand oder Lücken in Äckern für Feldlerchen sein. Das neue Landesnaturschutzgesetz schütze Grünland weit stärker als bisher. Auf EU- und Bundesebene habe sich Rheinland-Pfalz für eine naturverträglichere EU-Agrarförderung eingesetzt. Und aktuell werde die Düngeverordnung für ein boden- und gewässerschonenderes Wirtschaften novelliert. Das sei eine wichtige Voraussetzung, um die Lebensraumbedingungen der heimischen Brutvögel zu verbessern, so Höfken.

Die neue Rote Liste der rheinland-pfälzischen Brutvogelarten wurde in einer beispielhaften Zusammenarbeit zwischen Behörden, ehrenamtlichen Ornithologen und Verbänden erarbeitet. „Die ehrenamtlichen Kartierer und Erfasser sind Multiplikatoren, die ihre Kenntnis zum Schutz der biologischen Vielfalt in die Gesellschaft hineintragen und zur Steigerung der Akzeptanz des Naturschutzes in der Bevölkerung beitragen“, stellte die Ministerin heraus.