Rheinland-Pfalz: DAK-Gesundheitsreport 2012 vorgestellt. Mehr psychische Erkrankungen und deutlich gestiegener Krankenstand in der Region

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Rheinland-Pfalz: DAK-Gesundheitsreport 2012 vorgestellt. Mehr psychische Erkrankungen und deutlich gestiegener Krankenstand in der Region

(pm). Der Krankenstand in Landau, Neustadt und den Landkreisen Südliche Weinstraße und Germersheim ist 2011 deutlich gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports, der vergangene Woche im Pfalzklinikum (Klingenmünster bei Landau) vorgestellt wurde. Kommentiert und bewertet wurden die Ergebnisse von Experten des Pfalzklinikums. Die Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Dr. Sylvia Claus, Betriebsarzt Dr. Thomas Niendorf, Internist Dr. Michael Janowitz und Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke beantworteten Fragen rund um Stress und Herzinfarkt. Außerdem wiesen sie auf das betriebliche Gesundheitsmanagement am Pfalzklinikum hin. Dabei stellten sie u.a. das Projekt „SyWiK in der Pfalz“ vor. Hier fördern das Pfalzklinikum, das Klinikum Landau-Südliche Weinstraße, das Städtische Krankenhaus Pirmasens und die Stadtklinik Frankenthal die Gesundheit und Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Finanziert wird das Projekt durch den Europäischen Sozialfonds und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2012 nahmen die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen um 0,4 Prozentpunkte zu, während sie in Rheinland-Pfalz insgesamt nur um 0,3 Prozentpunkte stiegen. Mit 3,9 Prozent liegt die Region im Landesdurchschnitt. Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1.000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 39 krankgeschrieben. Der höchste Wert in Rheinland-Pfalz wurde mit 4,6 Prozent im Landkreis Pirmasens und der Südwestpfalz gemessen. Die niedrigsten Krankenstände hatten erneut mit 3,5 Prozent die Landeshauptstadt Mainz und der Landkreis Mainz-Bingen.

Wie aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport für Landau, Neustadt und den Landkreisen Südliche Weinstraße und Germersheim hervorgeht, stiegen im Vergleich zum Vorjahr bei allen Diagnosen die Ausfalltage an. Den deutlichsten Anstieg gab es bei den psychischen Erkrankungen wie Depressionen mit 33 Prozent. Grund war hier eine deutlich längere Erkrankungsdauer von durchschnittlich 30 Tagen je Fall. Die Fehltage aufgrund von Rückenleiden stiegen um fast 27 Prozent. Auch die Erkrankungen des Verdauungssystems wie Durchfallerkrankungen nahmen um fast 22 Prozent zu. Bei den Atemwegserkrankungen (Erkältungen, Bronchitis) stiegen die Krankschreibungen gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent.

„Die Höhe des Krankenstandes in der Region zeigt Handlungsbedarf auf“, kommentierte Ernst Dissinger, Chef der DAK-Gesundheit in Landau die Ergebnisse. „Gesund leben und arbeiten gehören eng zusammen. Im Alltag ist es wichtig, dass sich die Menschen richtig ernähren, entspannen und bewegen. Die Arbeitgeber können über ein Gesundheitsmanagement den Krankenstand im Unternehmen beeinflussen. Aktuelle Studien zeigen, wie gezielte Rücken- oder Anti-Stress-Kurse positiv wirken. In Sachen betrieblicher Prävention beraten und unterstützen wir gerne.“

Einen besonderen Akzent setzt die Krankenkasse 2012 mit einer neuen Aufklärungskampagne: Im Beruf lauern bislang unbekannte Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. Nach aktuellen Gesundheitsstatistiken ist der Infarkt die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. In Rheinland-Pfalz verstarben im Jahr 2010 insgesamt 3.309 Personen an einem Herzinfarkt. Bislang wurden zur Vorbeugung vor allem die klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Übergewicht beachtet. Der neue DAK-Gesundheitsreport zeigt dagegen auf, dass auch Stress und Frust im Beruf das Infarkt-Risiko deutlich erhöhen können. „Herzinfarkte sind schon lange keine Managerkrankheit mehr“, sagt Dissinger.

Fehlende Belohnung im Beruf macht krank

Nach einer repräsentativen Untersuchung leiden in Rheinland-Pfalz 9,8 Prozent der Berufstätigen an einer sogenannten beruflichen Gratifikationskrise. In Baden-Württemberg sind es im Vergleich nur 6,3 Prozent. „Die Menschen haben Stress im Job, weil sie sich für ihre Anstrengungen im Beruf nicht ausreichend belohnt fühlen“, erklärt Ernst Dissinger. „Dadurch verdoppelt sich bei den Betroffenen das Risiko für eine schwere Herzerkrankung.“ Während bundesweit vor allem Facharbeiter und Arbeiter an dieser Krise leiden, sind Selbstständige und Freiberufler nur selten betroffen.

Bei der Belohnung spielen vor allem das Gehalt, die Anerkennung durch Vorgesetzte und ein sicherer Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Als Belastungen werden Zeitdruck, Störungen und vermehrtes Arbeitsvolumen genannt. Sind erlebte Belastungen und Belohnungen nicht mehr ausgeglichen, sprechen Experten von „Gratifikationskrise“. Jeder zweite Betroffene schätzt auch seinen Gesundheitszustand als schlechter ein. Tatsächlich leiden die Personen häufiger unter Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit.

Betriebliches Gesundheitsmanagement nutzen

„Obwohl diese sehr gestressten Arbeitnehmer ihr erhöhtes Gefährdungspotenzial kennen, kümmern sie sich nicht stärker um ihre Gesundheit“, betont Dissinger. „Hier sollten Unternehmen mit ihrem betrieblichen Gesundheitsmanagement ansetzen, um die Betroffenen zu unterstützen.“ Die DAK-Gesundheit (ca. 380.000 Versicherte in Rheinland-Pfalz, davon rund 30.000 in Landau, Neustadt und den Landkreisen Südliche Weinstraße und Germersheim) empfiehlt Arbeitnehmern außerdem neue Internetangebote zur Entspannung und zur besseren Bewältigung des Alltags. Informationen gibt es in jedem DAK-Servicezentrum oder unter:

www.dak.de

By |Dienstag, 2. Oktober 2012|