Das Universitätsklinikum Heidelberg und die gesetzlichen Krankenkassen unter Federführung der AOK Baden-Württemberg haben einen Vertrag über die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) im Rhein-Neckar-Kreis abgeschlossen. Das neu gegründete Palliative-Care-Team SAPHIR (= Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis) soll ab sofort dazu beitragen, die häusliche Versorgung von Patienten mit nicht heilbarer oder fortschreitender Erkrankung zu optimieren. Das Angebot gilt für gesetzlich krankenversicherte Patienten folgender Krankenkassen: AOK Baden-Württemberg; teilnehmende Betriebskrankenkassen, die von der BKK VAG Baden-Württemberg vertreten werden; IKK classic; Verband der Ersatzkassen; Landwirtschaftliche Krankenkasse (SVLFG) und Knappschaft.

Palliativmedizin

Palliativmedizin ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer voranschreitenden, nicht heilbaren Erkrankung mit einer begrenzten Lebenserwartung. Im Fokus steht die Erhaltung von Lebensqualität unter Würdigung der individuellen Situation des Patienten durch die Behandlung von Schmerzen und anderen Krankheitsbeschwerden. Gleichzeitig werden die Betroffenen und ihre Angehörige bei psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen unterstützt. Im Idealfall findet die palliative Versorgung – so sieht es der Gesetzgeber in den Sozialgesetzbüchern V und XI vor – in der häuslichen Umgebung des Patienten statt. Doch oftmals steht für die Betreuung schwerstkranker Patienten mit aufwändigem Versorgungsbedarf in den eigenen vier Wänden nicht ausreichend qualifiziertes Personal zu Verfügung – dem soll das Heidelberger Konzept nun Abhilfe schaffen.

Wie sieht das Konzept in der Praxis aus?

Das Palliative-Care-Team besteht aus Medizinern des Zentrums für Schmerztherapie und Palliativmedizin, aus Ärzten der Palliativstation in der Thoraxklinik sowie aus Gesundheits- und Krankenpflegern, die eine Fachweiterbildung zur Onkologie- bzw. Palliative-Care-Nurse absolviert haben. Nach der ersten Kontaktaufnahme besucht ein Mitarbeiter des Teams den Patienten, überprüft die gesundheitliche Situation und stellt nach Verordnung durch den Krankenhausarzt oder niedergelassenen Mediziner bei der Krankenkasse einen Antrag auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung.

Wird diese genehmigt, erfolgt die Betreuung zu Hause über drei „Säulen“: Den Hausarzt, den Pflegedienst und das Palliative-Care-Team. Während Hausarzt und Pflegedienst die Regelversorgung übernehmen, greifen die Palliative-Spezialisten nur ein, wenn es der gesundheitliche Zustand des Patienten erfordert, z.B. bei zunehmender Atemnot, starken Schmerzen, Wasseransammlung im Bauch oder aufwändiger Wundversorgung. Um eine schnellstmögliche Versorgung auch im Notfall zu garantieren, arbeitet das Team in einem 24-Stunden-Bereitschaftsdienst.

Sowohl Prof. Dr. Hubert J. Bardenheuer als auch Prof. Dr. Michael Thomas leiten im St. Vincentius-Krankenhaus in Heidelberg bzw. in der Thoraxklinik in Heidelberg-Rohrbach eine Palliativstation und kennen sich in der Betreuung von Patienten mit begrenzter Lebenserwartung bestens aus. Beide sehen in dem Konzept den Grundgedanken der palliativen Versorgung gestärkt: „Palliative Care erfolgt über die verschiedenen Berufsgruppen hinweg und versucht, den Patienten aus dem Krankenhaus in eine ambulante Versorgung überzuleiten – und zwar in enger Zusammenarbeit mit der Brückenpflege, den Sozialstationen und den ambulanten Pflegediensten.“

Patienten, deren Angehörige oder niedergelassene Ärzte erreichen das Palliative-Care-Team:
Palliative-Care-Team SAPHIR, Universitätsklinikum Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 131
Telefon 0 62 21/5 63 56 10 (Mo – Fr 8.00 – 16.00 Uhr)
Telefax 0 62 21/56 72 03
nct.saphir@med.uni-heidelberg.de