(pm). Auf der 2. Regionalkonferenz des Clusters Energie & Umwelt der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) hat Verbandsdirektor Ralph Schlusche am 13. Juni 2012 das neue Energiekonzept der MRN vorgestellt. In drei Fachforen zu Contracting-Lösungen, Beteiligungsmodellen und Smart Grids diskutierten Experten die Umsetzung des Energiekonzepts. Den Abschlussvortrag hielt Ursula Heinen-Esser, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium.

Über 420 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren der Einladung zur 2. Regionalkonferenz des Clusters Energie & Umwelt im Mannheimer John Deere Forum gefolgt. Neben einer prominent besetzten Podiumsdiskussion stand das neue Regionale Energiekonzept im Fokus der Veranstaltung.

Neuer Fachbereich Energie und Umwelt

In seiner Begrüßung gab Albrecht Hornbach, Vorstandsvorsitzender der Hornbach Holding AG und Vorstandsvorsitzender Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e.V. (ZMRN), die Richtung vor: „Für die Zukunft der Metropolregion Rhein-Neckar ist es mitentscheidend, die Ziele Energieeffizienz und Nutzung erneuerbarer Energien konsequent zu verfolgen.“ Zudem kündigte Albrecht Hornbach eine organisatorische Erweiterung innerhalb der MRN an: „Um der großen Bedeutung des Themas Rechnung zu tragen, haben wir beschlossen, in der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH einen eigenen Fachbereich Energie und Umwelt dauerhaft einzurichten.“ Bei der Leitung dieses Bereichs setzt die MRN auf Kontinuität: Bernd Kappenstein, der bisherige Clustermanager, wird seine erfolgreiche Arbeit als Leiter des neuen Fachbereichs fortsetzen.

Intelligente Netze und smarte Technologie

Dr. Georg Müller, der Vorstandsvorsitzende der MVV Energie AG, sagte als Thementreiber Energie und Umwelt im Vorstand des ZMRN in seinem Eröffnungsvortrag: „Energieeffizienz ist ein zentraler Bestandteil des notwendigen neuen Energiedenkens und damit neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien einer der Erfolgsfaktoren für den ökologischen Umbau unserer Energieversorgung.“ Die heutigen Akteure sieht Georg Müller vor allem für die zukünftige Entwicklung in der Pflicht: „Wir müssen schon heute an die Innovationen für morgen denken. Denn grundlegende Produkt- und Prozessinnovationen, etwa eine ‚intelligente’ Netzsteuerung und ‚smarte’ Technologien, sind Voraussetzungen für ein sicheres, umweltfreundliches und bezahlbares Energiesystem der Zukunft.“

Gesamter Energiesektor im Blick

Erstmalig für eine Region in Europa liefert das neue Regionale Energiekonzept der MRN konkrete Vorgaben und belastbare Ansätze für die Entwicklung der Energieversorgung. „Das Energiekonzept betrachtet den gesamten Energiesektor unter den Aspekten Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Klima- und Umweltschutz. Es bilanziert erstmals die Energieerzeugung und den Energieverbrauch in der Metropolregion Rhein-Neckar und ermittelt die Potenziale der effizienten Energienutzung und der erneuerbaren Energie“, sagte Ralph Schlusche, Direktor des Verbands Region Rhein-Neckar. „Aus den Ergebnissen der Potenzialanalysen haben wir ein energiepolitisches Leitbild mit qualitativen und quantitativen Zielen sowie 75 Einzelmaßnahmen erarbeitet.“

Energiewende gemeinsam stemmen

Bernd Kappenstein griff in seiner Bewertung zu einem Bild aus dem Sport: „Die Energiewende ist kein 100-Meterlauf, eher ein Marathon, wo es darauf ankommt, die lange Wegstrecke Schritt für Schritt zurück zu legen, um schließlich am Ziel anzukommen. Das Ziel heißt Umbau der Energielandschaft – weg von fossilen Brennstoffen und weitgehender Ersatz durch regenerative Energiequellen. Wir sind gut beraten, in der Metropolregion einen Masterplan für die Energiewende aufzustellen und möglichst viele Menschen einzubinden.“

Messbare Erfolge definiert

Das neue energiepolitische Leitbild der MRN steht unter der Vision, bis zum Jahr 2020 eine europäische Vorbildregion auf dem Gebiet der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien zu werden. Als messbare Erfolge sollen diese quantitativen Teilziele erreicht werden: Der öffentliche Sektor nimmt seine Vorbildfunktion wahr und übertrifft die bundespolitischen Ziele einer Reduzierung des Gebäudewärmeverbrauchs um mehr als 20 Prozent und des Stromverbrauchs um mehr als zehn Prozent. Private Haushalte sowie Gewerbe, Handel und Dienstleistungsbranche reduzieren ihren Wärmeverbrauch um mehr als 18 Prozent und ihren Stromverbrauch um mehr als zehn Prozent. Bei Gebäuden werden 14 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt. Der Verkehrssektor reduziert den Endenergieverbrauch um mehr als zehn Prozent. Bezugsjahr ist jeweils 2006.

Passende Instrumente einsetzen

Zur Erreichung der messbaren Ziele sollen diese qualitativen Teilziele in Kooperation mit den relevanten Akteuren erreicht werden: Die erneuerbaren und konventionellen Energieträger werden forciert innerhalb eines Systems integriert. Die Themen intelligente Netze, stationäre Speichertechnologien und innovative Kraft-Wärme-Kopplung werden gefördert. Erfolgreiche regionale Beratungs- und Informationsstrukturen werden flächendeckend fortentwickelt und über Netzwerkinitiativen wird der Umbau zu einer nachhaltigen Energieversorgung moderiert. Die Energieeffizienz bei der Wärme und Stromnutzung in öffentlichen und privaten Gebäuden wird verbessert. Auf dem Strommarkt wird der Ausbau der Windenergie, Photovoltaik und Tiefengeothermie durch regionale Informations- und Vernetzungsaktivitäten verstärkt. Im Wärmemarkt wird besonders der Ausbau der Wärmepumpen, der Solarthermie und der Biomasse unterstützt. Im öffentlichen Verkehr und beim Mobilitätsmanagement werden innovative Projekte gefördert. Die gesamte Konzeptumsetzung wird durch ein Monitoring begleitet.

Über den Cluster Energie & Umwelt

Seit Dezember 2009 ist der bisherige Cluster Energie & Umwelt der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH aktiv. Die Aufgabe der von EU und Land geförderten Organisation ist die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand. Das professionelle Clustermanagement verfolgt das Ziel, die MRN bis 2025 zur energieeffizientesten Region Europas zu machen. Wegen der besonderen Bedeutung des Themas hat die Metropolregion Rhein-Neckar GmbH beschlossen, zusätzlich einen eigenen Fachbereich Energie und Umwelt dauerhaft einzurichten, den Bernd Kappenstein leitet. Der Cluster hat für seine Arbeit vier Aufgabenfelder thematisch eingegrenzt: Energieeffizienz in Gebäuden, Energieeffizienz in kleinen und mittleren Unternehmen, Energie- und Umweltkonzepte sowie erneuerbare Energien. Zum aktiven Netzwerk des Clusters gehören ca. 250 Partner-Unternehmen aus dem Wirtschaftszweig Energie und Umwelt. Zu ihnen zählen Weltmarktführer wie BASF und Saint Gobain Isover G&H bei Dämmstoffen, ABB und Siemens in der Gebäudetechnik, Alstom und MWM in der Kraftwerksbranche, KSB in der Produktion von energieeffizienten Pumpen und Bombardier bei innovativer Verkehrsmittel-Technologie. Hinzu kommen die Energieversorger MVV Energie und Pfalzwerke, die stark auf die erneuerbaren Energien setzen, ebenso TWL und die Stadtwerke Heidelberg, sowie die zahlreichen lokalen Stadtwerke und Versorger. Eine wichtige Rolle spielen die seit Jahren engagierten regionalen Netzwerke wie die EnergieEffizienzAgentur (E2A), das Umweltkompetenzzentrum Rhein-Neckar (UKOM) und die Allianz für Wohnen, Umwelt und Beschäftigung „Urban Plus“.