Das baden-württembergische Umweltministerium hat heute (20. Dezember 2017) den aktuellen Monitoring-Bericht zur Energiewende in Baden-Württemberg veröffentlicht. Der vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) erarbeitete Bericht befasst sich mit der Entwicklung der erneuerbaren Energien und des konventionellen Kraftwerkparks sowie der Versorgungssicherheit im Land. Außerdem hat das ZSW untersucht, wie sich der Energieverbrauch, die Energieeffizienz sowie die Ausgaben für Energie in Baden-Württemberg im letzten Jahr entwickelt haben.

„Als bedeutender Wirtschafts- und Industriestandort wollen wir wissen, wie die Energiewende mit ihren unterschiedlichen Facetten in Baden-Württemberg voranschreitet und welche Auswirkungen damit für die Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen im Land verbunden sind“, sagte Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller. Der jährliche Status-Bericht des ZSW stelle eine wichtige Grundlage für eine sachliche Diskussion über die Energiewende in Baden-Württemberg dar. Dies ermögliche es der Landesregierung, auf unerwünschte Entwicklungen zeitnah zu reagieren und geeignete Gegenmaßnahmen auf den Weg zu bringen, so der Minister.

Bei der Versorgungssicherheit belegt Deutschland weiterhin eine Spitzenposition

Bei der Versorgungssicherheit belegt Deutschland dem Bericht des ZSW zufolge weiterhin eine Spitzenposition. Beim Strom bedeuten durchschnittlich 12,8 Minuten im Jahr 2016 eine der kürzesten Unterbrechungsdauern in ganz Europa. Auch im Gasnetz ist die Versorgungssicherheit mit einer bundesweiten Ausfallzeit von einer Minute pro Jahr als sehr hoch einzustufen.

Um das Stromnetz zu stabilisieren, müssen die Netzbetreiber sogenannte „Redispatch-Maßnahmen“ vornehmen. Während sich die Kosten hierfür in Gesamtdeutschland im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr fast halbiert haben, ist der Bedarf für solche Maßnahmen in Baden-Württemberg weiter gestiegen. Als Grund hierfür führt das ZSW vorübergehende Engpässe aufgrund der Zunahme von Netz-Ausbaumaßnahmen an, die es notwendig machten, Teile des Netzes um- oder abzuschalten. Laut ZSW seien die Kosten hierfür mit 4,3 Millionen Euro jedoch weiterhin vergleichsweise niedrig und machten im bundesweiten Vergleich nur rund 2 Prozent der Kosten aus. „Wir brauchen den Netzausbau im Land“, betonte Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller. Die vorübergehende Zunahme an netzstabilisierenden Maßnahmen sei zu erwarten gewesen.

Zunehmendes Interesse an dezentralen Speicherlösungen

Das ZSW hat in seinem Bericht auch ein zunehmendes Interesse an dezentralen Speicherlösungen im Land festgestellt. Fast jede zweite neue Solaranlage im Leistungssegment bis 30 Kilowatt wurde 2016 mit einem Batteriespeicher errichtet. Darüber hinaus werden in Pilotprojekten in Baden-Württemberg Einsatzmöglichkeiten von großen Stromspeichern, Maßnahmen des Lastmanagements sowie andere Flexibilitätsoptionen erprobt. „Das unterstreicht die führende Rolle Baden-Württembergs bei der Entwicklung eines umweltfreundlichen, nachhaltigen und sicheren Energiesystems“, so Minister Untersteller.

Zur Entwicklung der Energiepreise sagte Prof. Frithjof Staiß vom ZSW: „Weil die Gesamtausgaben für Energie gemessen an der Wirtschaftsleistung recht stabil sind, kann man die generelle Bezahlbarkeit der Energiewende nicht ernsthaft in Zweifel ziehen. Wie bei jedem Transformationsprozess geht es aber auch hier in erster Linie um Verteilungsfragen, die immer wieder überprüft werden müssen, um dauerhaft Erfolge zu erzielen.“