(pm). Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar hat am 2. August 2012 in Mannheim eine Bedarfsanalyse zum Schienenverkehr für die Metropolregion Rhein-Neckar vorgestellt. Sowohl schriftlich als auch in Experteninterviews wurden dafür u.a. Unternehmen aus den IHK-Bezirken Rhein-Neckar, Pfalz und Darmstadt befragt. Zentrale Ergebnisse weisen darin eine Verdoppelung der eingehenden Güterzüge bis zum Jahr 2025 aus, insbesondere im sogenannten kombinierten Verkehr. Auch der Personenfernverkehr wird laut Gutachten bis 2025 um mehr als 40 Prozent wachsen. „Die Schienenkapazitäten in der Metropolregion sind deutlich zu niedrig“, fasste IHK-Hauptgeschäftsführer Axel Nitschke zusammen und fordert, neben der Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim, den weiteren Ausbau des Knotens Mannheim und seiner Zulaufstrecken sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr rasch anzugehen. „Damit könnte auch das Nahverkehrsangebot qualitativ und quantitativ weiter entwickelt werden“, sagte Nitschke.

Der bundesweit zweitgrößte Rangierbahnhof Mannheim spielt eine wesentliche Rolle

„Die Schieneninfrastruktur stellt das Herz- und Kreislaufsystem der Wirtschaft in der Metropolregion dar. Ihre weltweite hohe Vernetzung, dokumentiert durch eine der höchsten Exportquoten Deutschlands, ist Grundlage für Wohlstand und Arbeitsplätze in der Region“, betonte Nitschke. Auch der aktuell gültige Generalverkehrsplan von Baden-Württemberg stellt weiter wachsenden Verkehr- und damit Kapazitätsengpässe, sowie vor allem Trassenkonflikte zwischen dem Personen- und dem Güterverkehr fest. Dabei spielt der bundesweit zweitgrößte Rangierbahnhof Mannheim eine wesentliche Rolle für die verladende Wirtschaft, nicht nur der Metropolregion Rhein-Neckar, sondern auch als Tor zu ganz Baden-Württemberg. „So gut wie alle Güterzüge, die von den Seehäfen im Norden bis nach Italien oder von Frankreich bis Osteuropa fahren, müssen bislang durch Mannheim, werden hier neu zusammengestellt und mit regionalen Güterzügen gekoppelt. Diese Züge bringen sowohl Vorleistungsprodukte zu den Firmen der Region als auch deren Güter, beispielsweise hochwertige Fahrzeuge und Industrieendprodukte, zu den Seehäfen Europas. Diese Adern gilt es zu erhalten und auszubauen“, so Nitschke. Bereits heute gleichen sie eher verkalkten Arterien, die uns nahe an den Verkehrsinfarkt bringen. Um im Bild der Medizin zu bleiben: „Stents in Form von Reparaturmaßnahmen reichen nicht mehr aus, wir brauchen neue Trassen, um den wichtigen Kreislauf am Leben zu halten.“ So geht es für die Region sowohl um klein- als auch um großräumige Engpässe, die mit einer leistungsfähigeren Infrastruktur bis 2025 beseitigt werden müssen.

Neue Gleise für den Güterverkehr sowie die Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar

Wichtigste Maßnahmen sind neue Gleise für den Güterverkehr sowie die Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar. Für die Wirtschaft ist entscheidend, dass die Neubaustrecke im Personenverkehr die bisher sehr gute Anbindung Mannheims sicherstellt und ausbaut. Welche Streckenführung dafür gewählt wird, gilt es nun rasch zu entscheiden und in Angriff zu nehmen. „Weitere zehn Jahre Stillstand können wir uns hier nicht mehr leisten“, sagte Nitschke. „Wir halten deshalb den Vorschlag des Deutsche Bahn-Chefs Jürgen Grube, den durchfahrenden Güterverkehr über eine zusätzliche Trasse zu führen und damit den Hauptbahnhof Mannheim zu entlasten, für überlegenswert.“ Hier gelte es nun gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. „Nicht alle Güterzüge und vor allem nicht doppelt so viele bis 2025 müssen durch das Nadelöhr Hauptbahnhof Mannheim fahren“, sagte Nitschke. Entscheidend ist, dass die Anbindung an den Rangierbahnhof in Mannheim sichergestellt ist. „Das liegt auch im Interesse der Deutschen Bahn“, ist sich Nitschke sicher.

Gutachten als Diskussionsgrundlage im Hinblick auf die Großstudie

Ebenso ausgebaut werden muss die Aus- und Neubaustrecke Karlsruhe-Basel sowie auch die Strecke Mannheim-Heidelberg. Von größter Bedeutung ist zudem eine verbesserte Anbindung und Erschließung der Mannheimer Häfen, des Containerterminals der BASF sowie des Mannheimer Rangierbahnhofes als Herz des gesamten Schienenverkehrs in der Region. Mit Blick auf den Korridor Frankfurt-Mannheim gilt laut Nitschke: „Die derzeit bereits verstopften drei Schienen-Hauptstrecken müssen entlastet werden.“ Deshalb unterstützen wir mit unserem Gutachten auch die vom Bund avisierte Studie zum Verkehr auf der Rheintalschiene, die bis Ende 2013 das Ziel hat, den gesamten Trassenverlauf unter die Lupe zu nehmen. „Das heute vorgelegte Gutachten betrachten wir als ersten Aufschlag und Diskussionsgrundlage im Hinblick auf diese Großstudie“, sagte Nitschke. Die IHK Rhein-Neckar will sich damit frühzeitig in die beauftragte Untersuchung einbringen, um sich bei der zukünftigen Gestaltung der Schienenwege in der Metropolregion Rhein-Neckar zu positionieren und für die Wirtschaft optimale infrastrukturelle Voraussetzungen zu schaffen.

Angebote im Personenfernverkehr sichern und ausbauen

„Die heute hochwertigen Angebote im Personenfernverkehr und die Verbindungsqualität in der Metropolregion müssen gesichert und ausgebaut werden“, so Nitschke weiter. Sie sind Garant der Standortqualität und ebenfalls Grundlage für wichtige Ansiedlungen und Investitionen wie z.B. neue Konzernzentralen. Neben dem Erhalt der heutigen Angebote müssen zusätzliche umsteigefreie Verbindungen für Heidelberg sowie Walldorf/Wiesloch angeboten werden. Zudem müssen die Verbindungen aus der Region in Richtung Pfalz/Saarland sowie weiter nach Frankreich ausgebaut werden. Dabei steht auch die Erreichbarkeit der Fernverkehrsbahnhöfe, vor allem des Hauptbahnhofes Mannheim auf der Agenda. Durch die prognostizierte Zunahme beim Personenfernverkehr wird es hier immer schwieriger, die individuelle Anreise noch zu bewältigen. „Hier gilt es, die innerstädtische Verkehrssituation sowie den Nahverkehr als Zubringerverkehr zu verbessern“, sagte Nitschke.

Zur Langfassung des Gutachtens: www.rhein-neckar.ihk24.de (Dokument-Nr. 159565).