Die Alkoholsucht gehört zu den schwerwiegendsten Suchterkrankungen mit einer Zahl von mehr als 1,3 Millionen Betroffenen in Deutschland und einem jährlichen gesamtwirtschaftlichen Schaden von ca. 26 Milliarden Euro. Besonders problematisch ist bei der Therapie der Alkoholabhängigkeit die hohe Rückfallrate, d.h. die Schwierigkeit vieler Betroffener, der Verführung durch Alkohol im Alltag zu widerstehen. Hier setzt die neue Studie am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) an.

Die neurowissenschaftliche Forschung hat in den letzten Jahren einen Mechanismus identifiziert, der mit dem drängenden Bedürfnis, Alkohol zu konsumieren – dem sogenannten Craving – im Zusammenhang steht. Die Forscher fanden heraus, dass bei vielen Alkoholkranken ein bestimmter Teil des Gehirns, das sogenannte Belohnungssystem, besonders stark reagiert, wenn der Mensch mit alkohol-assoziierten Reizen konfrontiert wird. Dabei handelt es sich um eine gelernte Reaktion, bei der signalisiert wird, „wenn du jetzt Alkohol konsumierst, wird es dir besser gehen“. Therapeutische Behandlungsansätze, die am ZI erforscht und weiterentwickelt werden, versuchen diese gelernte Reaktion zu löschen oder zu verändern.

In einer aktuellen Studie untersuchen die Wissenschaftler der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin sowie der Abteilung für Klinische Psychologie die neurobiologischen Grundlagen dieser therapeutischen Intervention. Im Mittelpunkt stehen dabei die Unterschiede zwischen Alkoholabhängigen und Nichtalkoholabhängigen hinsichtlich der Reaktion des Gehirns auf alkohol-assoziierte Reize. Im Experiment können mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) diese Reaktionen im Gehirn sichtbar gemacht werden, während die Probanden die visuell angebotenen alkohol-assoziierten Reize betrachten.

Zu diesem Zweck werden nichtalkoholabhängige Frauen und Männer im Alter von 30 – 65 Jahren gesucht. Die Probanden dürfen keine Platzangst, keine Metall-Implantate (Ausnahme: Zahn-Implantate) im Körper sowie keine künstliche Linse haben. Sie sollten in der Vergangenheit kein Schädel-Hirn-Trauma und keine Verletzungen oder Operationen an Kopf oder Herz erlitten haben, keine Drogen konsumieren und durchschnittlich maximal 0,33 l alkoholische Getränke pro Tag trinken (im Durchschnitt weniger als 14 g Alkohol / Tag). Die Studienteilnahme umfasst einen Termin (ca. vier Stunden), während dessen eine Blutabnahme, ein Atemalkohol- und Drogenurintest, eine neuropsychologische Testung und eine funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) durchgeführt sowie verschiedene Fragebögen ausgefüllt werden. Die Probanden erhalten eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro.

Anmeldungen:
Telefon 06 21/17 03-61 64 oder
alena.becker@zi-mannheim.de