Mannheim: Kabellos durch die Stadt. RNV bringt mit Primove Elektrobusse auf die Straße

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Mannheim: Kabellos durch die Stadt. RNV bringt mit Primove Elektrobusse auf die Straße

Primove Förderübergabe

v.l.: Jérémie Desjardins (Business Leader Primove, Bombardier), Andreas Kerber (Kaufmännischer Geschäftsführer, RNV), Martin in der Beek (Technischer Geschäftsführer, RNV), Christian Specht (1. Bürgermeister, Stadt Mannheim), Kilian Berthold, Akad. Mitarbeiter (Institut für Fahrzeugsystemtechnik, KIT), Rainer Bomba (Staatssekretär im BMVBS). Foto: RNV

Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) interpretiert in der Stadt Mannheim Elektromobilität im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) künftig neu: Im Forschungsprojekt „Primove Mannheim“ werden Elektrobusse während des Fahrgastwechsels an regulären Haltestellen des Mannheimer Liniennetzes kabellos nachgeladen. Damit werden elektrische Busse nun auch auf anspruchsvollen Fahrzeugumläufen im täglichen Fahrgastbetrieb einsatztauglich.

Am 18. Februar 2013 hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) bei der Konferenz „Elektrobusse – Markt der Zukunft!?“ in Berlin die Förderung des Projekts Primove Mannheim mit 3,3 Millionen Euro bekannt gegeben. Stellvertretend für die vier Projektpartner – das regionale Verkehrsunternehmen RNV, die Stadt Mannheim, Bombardier Transportation sowie das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – nahmen Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht und RNV-Geschäftsführer Martin in der Beek den Förderbescheid für das innovative Projekt aus der Hand von Rainer Bomba (Staatssekretär im BMVBS) entgegen.

„Die Förderung alternativer Antriebstechnologien steht ganz oben auf der Agenda der Bundesregierung“, betonte Bomba bei der Fachtagung. „Wir wollen Deutschland zum Leitanbieter und Leitmarkt der Elektromobilität machen. Das Bundesverkehrsministerium verfolgt bei Forschung und Entwicklung der Elektromobilität einen breiten Ansatz. Wir fördern technologieoffen und bei allen Verkehrsträgern die Marktvorbereitung innovativer Antriebe und neue Konzepte. Besonders wichtig ist die Anwendung der Elektromobilität im Öffentlichen Personennahverkehr. Der ÖPNV ist ein integriertes System aus Fahrzeugen, Infrastruktur und Werkstätten, in dem neue Technologien im Gesamtsystem erprobt werden. Mit unseren Forschungs- und Demonstrationsvorhaben bewegen wir schon heute, was morgen fährt.“

Ab dem 2. Quartal 2014 können die Fahrgäste der zentralen Mannheimer Buslinie 63 die Vorzüge eines leisen und kohlendioxid-freien Busverkehrs erleben. Für zunächst 12 Monate werden dann auf den regulären Umläufen der RNV-Buslinie zwei rein elektrisch angetriebene und induktiv geladene E-Busse im täglichen Einsatz erprobt. Die beiden Elektrobusse sind mit der neuen Bombardier Mitrac Antriebstechnik für Citybusse ausgestattet. Darüber hinaus wird ein ebenfalls mit der kabellosen Primove-Technik geladener Elektro-Van als Servicefahrzeug im Verkehrsgebiet der RNV getestet.

Mit dem Projekt sollen die Parameter für Infrastruktur, Batterie, induktive Energieübertragung und täglichen Betrieb anhand einer konkreten Strecke ermittelt und im Praxiseinsatz überprüft werden. Einerseits kann so die Praktikabilität eines Technologietransfers hin zur Elektromobilität nachgewiesen werden. Andererseits lassen sich daraus Rückschlüsse für die weitere Optimierung eines emissionsarmen öffentlichen Verkehrs ziehen. Im Fokus steht zudem, die Wirtschaftlichkeit in Abhängigkeit von den ermittelten Rahmenbedingungen für einen zuverlässigen Alltagsbetrieb weiter zu verbessern. „Unser Ziel ist es, den Vorsprung des öffentlichen Verkehrs beim Einsatz effizienter Antriebstechnologien weiter auszubauen, indem die Technologie induktiv geladener Elektrobusse für den anspruchsvollen Einsatz auf einer Stadtbuslinie weiterentwickelt und in der Praxis deren Alltagstauglichkeit nachgewiesen wird“, begründet Martin in der Beek in seinem Dank an Staatssekretär Rainer Bomba das erneute Engagement des Unternehmens im Hinblick auf den Einsatz innovativer Technologieanwendungen.

So setzt die RNV GmbH bereits seit 2009 als erstes Verkehrsunternehmen Stadtbahnen mit serienmäßig ausgerüsteten Energiespeichern, den Mitrac Energy Saver von Bombardier, erfolgreich in ihrem Schienennetz ein. Mit der Primove-Technologie soll das Engagement für effiziente Elektromobilität nun auch auf die Bussparte ausgeweitet werden. Die auf induktiver Stromübertragung beruhende Primove-Ladetechnik wird komplett unsichtbar unter der Fahrbahnoberfläche und unter dem Fahrzeugboden verbaut. Sobald das Elektrofahrzeug das Ladesegment vollständig überdeckt, beginnt der Ladevorgang automatisch.

Intensive Öffentlichkeitsarbeit und aktive Bürgerbeteiligung sollen Fahrgäste und Bürger der Stadt Mannheim in die öffentliche Primove-Erprobung einbinden. „Wir wollen herausfinden, wie die Menschen die Vorteile der Elektrobusse und des neuen kabellosen Ladesystems wahrnehmen und bewerten“, umschreibt Mannheims Erster Bürgermeister und ÖPNV-Dezernent Christian Specht die Aufgabe der Stadt. „So bereiten wir den Weg dafür, die kohlendioxid-freie und lärmarme Elektrotechnologie auch auf weiteren Strecken in Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar zum Einsatz zu bringen.“

Die wissenschaftliche Begleitung des Projektes übernimmt das Institut für Fahrzeugsystemtechnik (FAST) am KIT unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Peter Gratzfeld. Schwerpunkt der Forschungsarbeiten ist der Aufbau einer Energiesimulation, die den gesamten Leistungsfluss in den Elektrobussen und an den induktiven Ladestellen abbildet. Damit lassen sich Batteriegröße und Ladeinfrastruktur optimal aufeinander abstimmen und gleichzeitig die Anforderungen an das Versorgungsnetz ableiten. Darüber hinaus werden die Wirkungsgrade ermittelt, um die höhere Energieeffizienz gegenüber konventionellen Antriebslösungen nachzuweisen. Nach Inbetriebnahme der Elektrofahrzeuge werden in einem umfangreichen Messprogramm die tatsächlichen Energieflüsse erfasst und damit die Simulationsergebnisse verifiziert.

„Das Projekt wird uns neben den technischen Erkenntnissen auch wichtige Informationen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz bei unseren Kunden liefern, um die Bussparte im Unternehmen zukunftsfähig weiterentwickeln zu können“, erläutert Andreas Kerber, Kaufmännischer Geschäftsführer der RNV, das Engagement der RNV GmbH für die Weiterentwicklung dieser Technologie.

By |Dienstag, 19. Februar 2013|