Masterplan Nachhaltige Mobilität

Die Pläne rund um den „Masterplan nachhaltige Mobilität“ präsentierten (v.l.): OB Dr. Peter Kurz (MA), Martin in der Beek, Techn. Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr (RNV), OB Prof. Dr. Eckart Würzner (HD) und Klaus Dillinger, Bau- und Umweltdezernent (LU). Foto: Philipp Rothe

Gemeinsam für saubere Luft: Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen planen den großen Wurf beim umweltfreundlichen Verkehr. OB Dr. Peter Kurz (Mannheim), OB Prof. Dr. Eckart Würzner (Heidelberg) und Klaus Dillinger, Bau- und Umweltdezernent der Stadt Ludwigshafen in Vertretung der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck, skizzierten am 31. Januar 2018 bei einem Pressegespräch im Heidelberger Rathaus, mit welchen Projekten sie die nachhaltige Mobilität in der Metropolregion Rhein-Neckar vorantreiben wollen. Diese sollen kurzfristig zu einem spürbaren Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung führen und die Luftqualität verbessern. Gebündelt sind die Projekte im gemeinsamen „Masterplan nachhaltige Mobilität für die Stadt“.

Drei Kommunen, die an einem Strang ziehen

Die Besonderheit: Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen waren die einzigen der rund 60 Städte beim sogenannten Dieselgipfel der Bundeskanzlerin am 28. November 2017 in Berlin, die einen gemeinsamen Antrag zur Erstellung eines Masterplans vorgelegt haben. Hinter dem Schulterschluss steht die Überzeugung, dass angesichts der hohen Pendlerströme in der Region die Luftqualität nur verbessert werden kann, wenn die Kommunen an einem Strang ziehen.

Die Finanzierung des Masterplans übernimmt zu 100 Prozent der Bund. Den entsprechenden Förderbescheid über 570.000 Euro hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Dezember übergeben. Der Plan wird nun im ersten Halbjahr 2018 in den beteiligten Städten – mit Unterstützung des Aachener Beratungsbüros Aviso GmbH – erarbeitet. Jede Stadt setzt dabei eigene Akzente

Schwerpunkte des Masterplans in Heidelberg:

Verkehr digitalisieren: Die Stadt Heidelberg will Parkplätze mit Sensorik ausstatten. Das soll den Parksuchverkehr verringern. Zudem soll es noch mehr Zählstellen für Autos geben, um bessere Entscheidungsgrundlagen für die Verkehrslenkung zu erhalten. Dies gilt auch für Umwelt-, Mobilitäts- und Verkehrsdaten, die die Stadt dem Land und dem Bund zur Verfügung stellen will.

Schneller von A nach B: Heidelberg will den ÖPNV mit Hilfe von Software- bzw. Datenplattform-basierten Angeboten besser vernetzen. Künftig soll es zudem sogenannte Mobilitätspunkte geben: An allen größeren Haltestellen des ÖPNV soll es künftig Carsharing-Stellplätze und Mietfahrräder geben.

Radverkehr fördern: Heidelberg setzt auf den weiteren Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr. Geplant sind ein Radschnellweg von Heidelberg über Mannheim nach Ludwigshafen und ein weiterer Schnellweg vom Neuenheimer Feld über die Bahnstadt und Patrick-Henry-Village nach Schwetzingen. Auch die Kooperation mit Nextbike soll erweitert werden.

Neue Busse im Linienverkehr: Die Stadt Heidelberg möchte zügig die bisherigen 37 RNV-Busse gegen wasserstoffbetriebene Busse austauschen und eine entsprechende Tankstelle einrichten. Bereits im Frühjahr 2019 soll eine neue Linie zur Altstadterschließung mit voraussichtlich zwei batteriebetriebenen Bussen in Betrieb gehen.

Emissionsfreie städtische Nutzfahrzeuge: Nach und nach sollen die von der Stadt Heidelberg genutzten Autos, Transporter, Müllautos, Fahrzeuge der Straßenreinigung oder weitere Sonderfahrzeuge vor allem durch batterie- oder wasserstoffbetriebene Elektrofahrzeuge ausgetauscht werden. Über das Fuhrparkmanagement soll eine optimale und effiziente Auslastung der Fahrzeuge erreicht werden.

Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge ausbauen: An vorhandenen und zusätzlich geplanten Park-and-Ride-Anlagen soll eine großzügig ausgelegte Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge errichtet werden – ebenso an Taxi-Warteplätzen. Weitere Ladestationen im öffentlichen Straßenraum sollen soweit als möglich exklusiv für Carsharing-Fahrzeuge angeboten werden.

Mit dem „Masterplan 100% Klimaschutz“ geht Heidelberg noch einen Schritt weiter: Die Stadt will bis zum Jahr 2050 die CO2-Emissionen um 95 Prozent reduzieren und den Energiebedarf der Kommune um die Hälfte senken. Dazu sind weitreichende Maßnahmen zur Vermeidung oder Umstellung des motorisierten Verkehrs erforderlich, der mit mehr als 20 Prozent zum Ausstoß von Treibhausgasen beiträgt. Aus Luftreinhalte- und Klimaschutzgründen muss Mobilität in den Kommunen mittelfristig emissionsfrei sein.

Schwerpunkte des Masterplans in Mannheim:

E-Mobilität / Hybrid / Gas: Sukzessive Umrüstung des kommunalen Fuhrparks mit Fahrzeugen ohne Verbrennungsmotor bzw. Hybrid-Fahrzeugen – Schrittweiser Ausbau der Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum und in Parkhäusern.

Radverkehr: – Steigerung des Radverkehrsanteils durch Schließung von Lücken zwischen Radwegen und Ausbau der Radschnellwege zwischen Metropolen und dem ländlichen Raum – Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer.

Digitalisierung: – Digitalisierung des Parkleitsystems zur Vermeidung von Parksuchverkehren / Bereitstellung der Parkstände in Echtzeit / mittel- bis langfristig sollen umfassende Verkehrsdaten in Echtzeit nutzerfreundlich bereitgestellt werden (Einbettung in regionale Plattform / VRN-App) – Ausbau von Zählstellen zur Verbesserung der Datengrundlage.

Urbane Logistik: – Lieferdienste, Taxen, Kuriere, Paket- und Briefzusteller sollen mit Elektrofahrzeugen bzw. nachhaltigen Verkehrsmitteln (Fahrrad, Pedelec etc.) fahren.

Schwerpunkte des Masterplans in Ludwigshafen:

Intelligente Verkehrssysteme – umweltsensitive Steuerung: Durch die Aufrüstung des Verkehrsrechners und Erfassungssensorik werden umweltrelevante Daten sowie Daten zur aktuellen Verkehrslage und Meteorologie in Echtzeit erfasst und ausgewertet. Durch eine bessere Gestaltung des Verkehrsablaufs – ein sogenanntes Umweltsensitives Verkehrsmanagement – wird eine deutliche Reduzierung der Luftschadstoffe erreicht.

Das heißt: Über den Computer werden die Ampelschaltungen und Geschwindigkeiten der Fahrzeuge im Endausbau so gesteuert, dass der Verkehr in der Innenstadt möglichst staufrei abläuft und damit Emissionen so weit als möglich vermieden werden. Hierzu werden umfangreiche Daten der Fahrzeugbewegungen und Geschwindigkeiten von vielen Messpunkten benötigt. Ebenso Winddaten und sonstige meteorologische Daten. In Verknüpfung mit Rechenmodellen zur Schadstoffbelastung der Luft wird dann der Verkehr gesteuert. Gleichzeitig werden diese Daten den Verkehrsteilnehmern online oder auch über Anzeigetafeln zur Verfügung gestellt (Echtzeit), um eine bessere Entscheidung zu ermöglichen oder Wartezeiten zu begründen.

Stärkung des ÖPNV – kommunales Mobilitätsmanagement: Ein betriebliches und kommunales Mobilitätsmanagement soll aufgebaut werden. Dazu dienen auch die Ergebnisse des aktuellen Forschungsprojektes der Hochschule Ludwigshafen mit dem Thema „Klimafreundliche Mitarbeitermobilität“, an dem neben der Stadtverwaltung auch andere Unternehmen eingebunden sind.

Verdichtung und Ausbau des Liniennetzes: Durch die Taktverdichtung vorhandener Bus- und Straßenbahnlinien bzw. die Schaffung neuer Verbindungen von Bus- und Straßenbahnlinien werden weitere attraktive ÖPNV-Angebote geschaffen, durch die auch eine verbesserte Anbindung an den regionalen Zugverkehr ermöglicht wird.

Radwegenetz und Radschnellwege: Durch den Bau von Pendlerradwegen im Sinne von Radschnellwegen sowie den Lückenschluss der vorhandenen Hauptrouten werden gute Voraussetzungen geschaffen, die Radverkehrsverbindungen innerhalb der Metropolregion zu verbessern und so die Attraktivität des Radverkehrs für Pendler zu erhöhen.

Einsatz elektrischer Fahrzeuge: Es sollen zunehmend Busse, städtische Fahrzeuge, Nutz- und Sonderfahrzeuge eingesetzt werden, die elektrisch betrieben werden. Dies dient der Verbesserung der Luftqualität und der Senkung der Emissionen im Ballungsraum. Auch die Ladeinfrastruktur soll ausgebaut werden.

Aufbau smarter Mobilitätspunkte: Hier geht es z.B. um fest eingerichtete Car- oder Bike-Sharing-Stationen an Umsteigepunkten Schiene/Straße zur Verbesserung der individuellen Erreichbarkeit. Ziel ist die Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV durch Nutzung individueller Übergangsmöglichkeiten. Durch die Nutzung von Fahrradabstellmöglichkeiten, Ausbau von Mietfahrradsystemen sowie den Ausbau von Ladesäulen und eine Unterstützung des Car-Sharing-Konzepts werden bessere Möglichkeiten geschaffen, auf verschiedene Verkehrssysteme umzusteigen.