Mannheim: Forschungscampus M2OLIE nimmt Fahrt auf

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Mannheim: Forschungscampus M2OLIE nimmt Fahrt auf

Ausschnitt Interventionsraum

Automatisierung im Interventionsraum der Zukunft. Foto: Universitätsmedizin Mannheim

Kein Jahr ist es her, dass das Projekt „Mannheim Molecular Intervention Environment“, kurz M²OLIE, zu einem von zehn Gewinnern des Wettbewerbs um die neue Förderinitiative für öffentlich-private Partnerschaften des Bundesforschungsministeriums (BMBF) erkoren wurde. Mitte September 2013 fand das erste „Status-Symposium“ zum Forschungscampus M²OLIE statt, bei dem die Projekt-Beteiligten den aktuellen Stand und die geplanten Projekte darstellten und damit ihrer Vision Gestalt gaben.

Ziel ist die maßgeschneiderte Behandlung für Patienten mit Tumorerkrankungen. Die Vision ist ein Operationsraum der Zukunft, eine medizinische Interventionsumgebung für die Krebstherapie von morgen, die an den molekularen Abläufen in der Körperzelle und damit am Mechanismus der Krebserkrankung angreift. Diese Molekulare Intervention ist eine sehr zielgerichtete, individualisierte Therapie, das Gegenteil der „Blockbuster-Therapie“, die heute noch häufig Anwendung findet.

Das Projekt Forschungscampus M²OLIE befindet sich in der Vorphase, die Leitungs- und Organisationsstruktur ist etabliert, zwei Projekte laufen bereits. Mehrere Anträge für Leitprojekte sind in der Vorbereitung. Diese sollen in der Hauptphase angegangen werden, in die das Projekt in 2014 übergehen soll. Die Planungen sind so weit fortgeschritten, dass die Projekte beim Status-Symposium bereits anschaulich präsentiert werden konnten.

Die Diagnostik mittels molekularer Bildgebung spielt dabei eine wichtige Rolle, durch die der Tumor auf der Ebene der Moleküle charakterisiert werden kann. Es geht aber auch um die personalisierte Therapie, für die auf den einzelnen Patienten zugeschnittene molekulare Therapeutika, Radiopharmaka, hergestellt werden müssen. Ziel des Projektes ist es außerdem, Diagnostik und minimal-invasive Therapie in einer Sitzung zu durchlaufen, als geschlossener Interventionszyklus innerhalb eines Tages. Ein Querschnittprojekt befasst sich daher mit der Entwicklung eines IT-gestützten Workflow Management Systems. Dieses soll die verschiedenen Teilprozesse, wie eine standardisierte Biopsie-Entnahme, Analytik und Intervention, in einen reibungslosen Gesamtablauf fügen.

Präzise und schnell sollen die Prozesse also ablaufen im Interventionsraum der Zukunft. Dafür sind Automatisierungsprozesse gefordert, bis hin zur automatischen Intervention mittels robotergestützten Assistenzsystemen. Um diese „sehend“ zu machen, bedarf es der Bildgebung. Auch daran arbeiten die Wissenschaftler, mittels Fusion der Daten, die mit verschiedenen bildgebenden Verfahren gewonnen werden, bis in die vierte und fünfte Dimension hinein, indem bewegte Abläufe zu verschiedenen Zeitpunkten erfasst werden.

M²OLIE ist ein ausgesprochen interdisziplinäres und Technologie-affines Projekt. Dies entspricht dem Geist des Förderinstruments Forschungscampus. Ebenso passgenau entspricht M²OLIE der Idee des Forschungscampus, wie sie Dr. Jutta Illichmann (BMBF) in ihrem Grußwort formulierte: „Eine Keimzelle zu schaffen für die Themen von morgen und übermorgen“. Und Dr. Heinrich Kolem, CEO der Business Unit Angiography & Interventional X-Ray Systems von Siemens AG Healthcare Sector, zeigte sichtlich Begeisterung. Er bezeichnete die Molekulare Intervention als geniale, visionäre Idee und sagte ihr ein langes Überleben voraus. Siemens ist der wichtigste Partner aus der Industrie beim Forschungscampus M²OLIE. Weitere Firmen aus der Medizintechnik, Informations- und Biotechnologie sind an dieser Initiative beteiligt.

Das Projekt hat eine wichtige Bedeutung für die Universitätsmedizin Mannheim. Seit über zehn Jahren ist die Medizintechnologie einer ihrer wissenschaftlichen und klinischen Forschungsschwerpunkte. Davon zeugen das gemeinsame Institut für Medizintechnologie von Universität Heidelberg und Hochschule Mannheim sowie die Fraunhofer-Projektgruppe PAMB (Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie), die in dieser Zeit etabliert wurden. Beide sind stark im Forschungscampus engagiert.

By |Mittwoch, 25. September 2013|