Ärzte und Pflegepersonal der Medizinischen Klinik I am Ludwigshafener St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Jörg Hoffmann freuen sich sehr über die erfolgreiche Einführung einer neuen Methode: Sie haben am 30. Dezember 2014 die erste „Stuhltransplantation“ bei einer 53-jährigen Patientin mit einer wiederholten Clostridien-Infektion des Dickdarmes durchgeführt.

Im Fachjargon spricht man von einem „fäkalen Mikrobiom-Transfer“, der Begriff Stuhltransplantation ist dabei aber anschaulicher. Der Patientin wurde während einer Darmspiegelung die gesunde Darmflora einer 47-jährigen Bekannten übertragen. Die Spenderin war zuvor ausführlich auf durch Blut oder Stuhl übertragbare Erkrankungen getestet worden. Der Stuhl wurde dann in keimfreien Wasser aufgelöst, gefiltert und während der Untersuchung am höchsten Punkt des Dickdarmes eingebracht. Nur kurze Zeit nach Erwachen der Patientin war eine normale Nahrungsaufnahme möglich. Oberarzt Dr. Daniel Leske hat die umfangreichen Voruntersuchungen der Spenderin und die Stuhltransplantation mit dem Endoskopieteam organisiert und durchgeführt.

Stuhltransplantation: Methode hat in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren

Die schon von den Chinesen vor mehreren Jahrhunderten angewendete Methode hat in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren. Diese Art der Behandlung ist inzwischen für die Indikation der wiederholten Darminfektion durch sogenannte Clostridien gut etabliert und wissenschaftlich belegt. Ursache für die Clostridien-Infektion ist häufig eine vorausgegangene Antibiotikabehandlung mit Zerstörung der Darmflora, geben die behandelnden Mediziner an. Dies führt zu einer Überwucherung des Darmes durch Clostridien. Diese Bakterien produzieren einen Giftstoff, der zu einer schweren Schädigung des Darmes führen kann. Die Darmentzündung führt zu massiven Durchfällen und als Komplikation kann eine Blutvergiftung oder ein Darmdurchbruch auftreten. Clostridien haben dabei eine Neigung, immer wieder zu kommen. „Die Übertragung fremden Stuhlgangs“, so berichtet der Chefarzt Prof. Dr. Jörg Hoffmann, „kann helfen, die Darmflora wieder aufzubauen, so dass sich der Körper dauerhaft gegen Clostridien wappnen kann.“ Vorteil sei auch die schnelle Erholungszeit der Patienten.

„Der weitere Verlauf der Patientin bleibt abzuwarten, wir sind aber sehr hoffungsvoll, dass dieser positiv verlaufen wird. Weitere Patienten sind im Augenblick in Vorbereitung“, gibt der zuständige Oberarzt Dr. Daniel Leske an.