Von September 2013 bis Mai 2014 erprobte die Stadtverwaltung Ludwigshafen im Rahmen eines Projektes des schweizerischen Bundesamtes für Umwelt mit Unterstützung des Umweltministeriums Rheinland-Pfalz, wie Autofahrer mit geringen Änderungen ihres Fahrstils die Lärmemissionen, den Treibstoffverbrauch und die Materialabnutzung von Dienstfahrzeugen verringern können. Am 15. Oktober 2014 stellte Dr. Stephanie Moser von der Interfakultären Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie (IKAÖ) der Universität Bern im Beisein von Umweltstaatssekretär Dr. Thomas Griese und Ludwigshafens Umweltdezernent Klaus Dillinger die nun vorliegenden Ergebnisse der Pilotstudie „Mit Eco-Drive gegen Straßenlärm“ vor.

Um bei den teilnehmenden Fahrern die gewünschten Effekte durch Veränderungen des Fahrstils zu erreichen und mögliche Effekte zu messen, gab es ein dreistufiges Interventionsprogramm. Im ersten Schritt erhielten die Teilnehmenden Informationen zu Straßenlärm und zur Wirksamkeit von Eco-Drive. Danach erfolgte eine halbtägige Fahrerschulung in einem Dienstfahrzeug. In einer mehrfach wiederholten, wöchentlichen Rückmeldung per E-Mail erhielten die Freiwilligen u.a. Hinweise über die Entwicklung einzelner Merkmale oder auch Empfehlungen zur Verbesserung ihres Fahrstils. Es wurden zwei Interventionsgruppen und eine Kontrollgruppe gebildet. Datenrekorder in den Dienstfahrzeugen zeichneten verschiedene Kennwerte auf.

Fahrstile lassen sich schwer ändern

Die Studienergebnisse zeigen, dass sich durch Schulungen der Fahrer und Anweisungen zu einem geräuscharmen Fahrstil die Lärmentwicklung durch Motorengeräusche senken lässt. Gleichzeitig führte die Anwendung des ökologischeren Fahrstils zu einem Rückgang des Kraftstoffverbrauchs. Allerdings ließ sich beobachten, dass nach Ende der gezielten Rückmeldungen, welche die Fahrer für ihren Fahrstil erhielten, diese Effekte wieder nachließen. „Da der Fahrstil ein gewohnheitsmäßiges Verhalten ist, fällt es teilweise schwer, ihn zu ändern“, erklärte Dr. Moser.

Veränderte Handlungsweisen können Lärmreduktion unterstützen

Festhalten lässt sich indes, dass eine Lärmminderung über den Einfluss auf das Fahrverhalten möglich ist und in Kombination mit lärmarmen Reifen sich hier gerade im Innenstadtbereich Entlastungen erreichen lassen. Bei der Fahrerschulung lohnt es sich, auf eine hohe Qualität zu achten und kompetente sowie engagierte Fahrtrainer einzusetzen, welche ihrerseits Überzeugungsarbeit leisten. Weiterhin sind Rückmeldungen zum Fahrstil ein zentrales Element, um nach dem Fahrtraining die über Jahrzehnte automatisierten Muster des Fahrstils zu durchbrechen.

Staatssekretär Dr. Thomas Griese und Beigeordneter Klaus Dillinger betonten, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung (54 Prozent) in ihrem Wohnumfeld durch Straßenverkehrslärm gestört sei. Etwa jede zehnte Person sei von Straßenverkehrslärm sogar in gesundheitsbeeinträchtigender Weise belastet.

„Mit technischen, raumplanerischen und infrastrukturellen Maßnahmen kann die Straßenlärmbelastung zwar langfristig vermindert werden, diese lassen sich aber gerade in innerstädtischen Wohngebieten kurzfristig nur bedingt einsetzen“, erklärte Dillinger. „Maßnahmen, welche auf individuelle Handlungsänderungen bei Lärmverursacherinnen und Lärmverursacher setzen – im Falle von Straßenverkehrslärm also die Autofahrerinnen und Autofahrer – stellen deshalb eine weitere Möglichkeit dar, die bekannten Maßnahmen kurzfristig zu einem Maßnahmenpaket zu ergänzen“, fügte der Umweltdezernent hinzu.

Weniger Stress, mehr Sicherheit – und zudem Material, Umwelt und Geldbeutel schonen

Staatssekretär Dr. Thomas Griese: „Eco-Drive heißt, clever Auto fahren. Die Ergebnisse des Projekts zeigen, wie wichtig es ist, dass Fahrschüler lernen, vorausschauend und niedertourig zu fahren und diese Fahrweise inzwischen fester Bestandteil der Führerscheinprüfung ist. Aber auch langjährige Autofahrer können ihren Fahrstil so anpassen, dass sie mit weniger Stress und mehr Sicherheit unterwegs sind und dabei auch noch Material, Umwelt und den eigenen Geldbeutel schonen. Innerorts ist Eco-Drive keineswegs langsamer.“ Der Staatssekretär wies darauf hin, dass das Umweltministerium das Projekt im Rahmen des „Runden Tischs Lärm“ auf den Weg gebracht und gefördert habe.

Lärmemissionen durch Motorengeräusche sinken leicht

Werte für die Motorengeräuschemissionen lagen nur bei der zweiten Durchführung des Interventionsprogramms vor. Der gemittelte Summenpegel des Motorengeräuschs in Dezibel betrug 54,5. In der Interventionsgruppe ließ sich eine Reduktion dieses Pegels um ein halbes Dezibel in der Phase des Fahrerfeedbacks im Vergleich zum Start der Intervention beobachten. Der Wert verschlechterte sich leicht nach Ende des Interventionsprogramms, lag aber immer noch unter 54 Dezibel und damit unter dem Wert der Kontrollgruppe.

Ferner zeigt sich, dass in der Interventionsgruppe der prozentuale Anteil der besonders störenden Fahrt, bei der ein Wert von 60 Dezibel überschritten wurde, während der Phase der Fahrerrückmeldungen von 8,8 Prozent auf 5,4 Prozent signifikant zurückging. Allerdings verschlechterten sich die Fahrerinnen und Fahrer diesbezüglich nach Ende des Programms.

Kraftstoffverbrauch ebenfalls rückläufig

Bei Parametern, welche auf vorausschauendes Fahren und Ausrollen hindeuten, beobachtete die Universität Bern teilweise ebenfalls eine Verbesserung während der Phase der Fahrerrückmeldungen. Der veränderte Fahrstil schlug sich auch in Kraftstoffeinsparungen nieder. Generell lagen die Verbrauchswerte mit 7 – 9 Liter pro 100 Kilometer schon relativ niedrig. Während der Phase der Fahrerrückmeldungen zeigte sich eine Verringerung des Kraftstoffverbrauchs in den untersuchten Fahrergruppen um 3,2 Prozent respektive 2,3 Prozent. Während die Verbesserung auch nach Abschluss des Programms in einer Interventionsgruppe anhielt, verschlechterte sich der Kraftstoffverbrauch in der anderen.

Die Teilnehmer an der Eco-Drive-Studie

An dem Pilotprojekt nahmen insgesamt 174 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) und der Stadtverwaltung freiwillig teil. Schließlich nahmen 135 Mitarbeiter an halbtägigen Fahrschulungen teil. Ausgewertet werden konnten aufgrund der technischen Voraussetzungen der Fahrzeuge und der Fahrhäufigkeiten die Ergebnisse von 88 Teilnehmenden.

Der Begriff „Eco-Drive“ bezeichnet ein vorausschauendes und niedrigtouriges Fahren, das bisher hauptsächlich im Zusammenhang mit energie- und klimapolitischen Maßnahmen erforscht wurde. Mit dem Eco-Drive-Projekt untersuchte die Universität Bern verschiedene unterstützende Maßnahmen, die eine Verbesserung des Fahrstils erleichtern.

Weitere Informationen:
www.fahren-wie-ein-profi.de
www.adac.de/infotestrat/tanken-kraftstoffe-und-antrieb/spritsparen/default.aspx
www.vcd.org/spritspartipps.html