Hörgeschädigte

Audiologe Markus Landwehr, therapeutischer Leiter des CI-Rehabilitationszentrums Heidelberg, erklärt einer Patientin die Funktionsweise eines Lichtweckers. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Hörgeschädigte sind im Alltagsleben mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert: Was tun, wenn man Wecker, Telefon und Türklingel nicht hört? Was erleichtert das Sprachverständnis beim Fernsehen oder Telefonieren? Am Samstag, 25. Oktober 2014, bietet die Universitäts-Hals-, Nasen-, Ohrenklinik Heidelberg im Rahmen des 2. „Heidelberger Herbstseminars“ Menschen mit Hörschädigung – ob mit Hörgerät oder der Innenohrprothese Cochlea-Implantat (CI) versorgt – die Gelegenheit, sich ausführlich über die verschiedensten praktischen Alltagshelfer zu informieren.

Vorträge, Hilfsmittel, Selbsthilfegruppen u.v.m.

Vertreter mehrerer Herstellerfirmen geben in kurzen Vorträgen einen Überblick über die Produkte, danach dürfen die technischen Hilfsmittel ausprobiert werden. Selbsthilfegruppen der Schwerhörigen und CI-Träger aus der Umgebung sind mit Info-Ständen vertreten; die Mitglieder beraten und geben ihre Erfahrungen gerne im persönlichen Gespräch weiter. Prof. Dr. Dr. h.c. Peter K. Plinkert, Ärztlicher Direktor der Universitäts-HNO-Klinik, stellt zudem die therapeutischen Angebote des ambulanten Rehabilitationszentrums für CI-Träger an der Heidelberger Klinik vor. Die Teilnahme am Seminar ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Alle Vorträge finden mit Schriftdolmetscher statt. Ebenso steht eine Induktionsschleifenanlage zur Verfügung, mit der das gesprochene Wort direkt an die Hörsysteme der Besucher übertragen wird. Die Veranstaltung startet um 10.00 Uhr in den Seminarräumen 1 und 2 neben dem Foyer der Kopfklinik (Im Neuenheimer Feld 400) und endet voraussichtlich gegen 16.00 Uhr.

Technikseminar für Hörgeschädigte in 2012 fand großes Interesse

„Es gibt bisher wenige Veranstaltungen, bei denen sich Hörgeschädigte einen umfassenden Überblick über das Spektrum an technischen Hilfsmitteln verschiedener Hersteller machen und diese gleichzeitig unter Anleitung ausprobieren können“, sagt Organisator Markus Landwehr, therapeutischer Leiter des ambulanten CI-Rehabilitationszentrums der Klinik. „Viele wissen gar nicht, welche Alltagshelfer es in diesem Bereich gibt und wie sie richtig eingesetzt werden.“ Auch der „Kabelsalat“, den CI-Träger vom Hersteller nach der Implantation mitbekommen und mit dem die elektrische Innenohrprothese z.B. direkt mit Fernseher oder CD-Player verbunden werden kann, überfordere viele. Das erste Technikseminar für Hörgeschädigte 2012 fand daher bereits großes Interesse.

Umfassende ambulante Rehabilitation für Menschen mit Innenohrprothese

Hörgeschädigte, bei denen Hörgeräte nicht mehr ausreichen und die daher über die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat nachdenken, finden beim Herbstseminar ebenfalls die richtigen Ansprechpartner. Seit Anfang 2014 ist die Universitäts-HNO-Klinik von den Krankenkassen als ambulantes Rehabilitationszentrum für CI-Träger zugelassen. Damit steht Patienten aus der Region nun das gesamte Spektrum der CI-Versorgung aus einer Hand zur Verfügung – vom ersten Beratungsgespräch über die Implantation und umfassenden Rehabilitation bis hin zur lebenslangen Nachsorge.

Die Angebote umfassen neben der medizinischen Versorgung und Anpassung des Implantats ein spezielles Hörtraining, audiotherapeutische Beratungen und Gruppentherapie sowie Musiktherapie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung (Victor Dulger-Institut) in Heidelberg. Die Patienten werden von einem interdisziplinären Team aus Ärzten, spezialisierten Audiologen sowie Logopädinnen, Musiktherapeutin, Psychologin und Audiotherapeuten betreut. Eine Besonderheit ist dabei die Unterstützung durch ebenfalls hörgeschädigte Therapeuten wie Markus Landwehr, der selbst auf Hörgeräte angewiesen ist. Die ambulante Rehabilitation wird von Krankenkassen getragen.

Mit einem Cochlea-Implantat, das Töne in elektrische Signale umwandelt und an das Innenohr weitergibt, können selbst hochgradig schwerhörige sowie ertaubte Menschen wieder hören. Doch dieses Hören unterscheidet sich stark vom natürlichen Gehör und muss erst wieder erlernt werden.