Uniklinikum Heidelberg Neujahrsempfang

Beim Neujahrsempfang des Uniklinikums Heidelberg 2015 (v.r.): Prof. Dr. Guido Adler (Leitender Ärztlicher Direktor), sein Stellvertreter Prof. Dr. Matthias Karck, Irmtraut Gürkan (Kaufmännische Direktorin), Prof. Dr. Wolfgang Herzog (Dekan der Medizinischen Fakultät), Edgar Reisch (Pflegedirektor), Prof. Dr. Hugo A. Katus (Zentrumssprecher Innere Medizin). Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Knapp war es, doch nach einem gewaltigen Endspurt aller Mitarbeiter steht sie wieder, die „schwarze Null“ – und damit erneut und trotz schwieriger Bedingungen eine ausgeglichene Jahresbilanz 2014 für das Universitätsklinikum Heidelberg. „Das war eine unglaubliche Leistung“, bedankte sich die Kaufmännische Direktorin Irmtraut Gürkan beim Neujahrsempfang am 27. Januar 2015 bei den Mitarbeitern sowie allen Förderern und Partnern.

Für dieses Ergebnis müsse oft bis an die Belastungsgrenze gegangen werden, so Prof. Dr. Guido Adler, Leitender Ärztlicher Direktor, denn es fehle an ausreichender Unterstützung von politischer Seite. Nach wie vor werden die überdurchschnittlichen Leistungen der Universitätsklinika – darunter die Aus- und Weiterbildung von Ärzten, Notfallversorgung rund um die Uhr, Diagnose und Behandlung schwerstkranker Patienten sowie die Erforschung von Krankheiten und neuen Therapien – nicht angemessen erstattet, die Zuschüsse der Länder liegen weit unter Bedarf. Die finanzielle Situation der Universitätsklinika verschärft sich daher jedes Jahr weiter.

Gemeinsam mit rund 150 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen, Universität und Heidelberger Forschungseinrichtungen blickte der Klinikumsvorstand in der Medizinischen Universitätsklinik auf die Entwicklungen in 2014 zurück und gab einen Ausblick auf die Herausforderungen für 2015.

Neubauten für Forschung und Patientenversorgung

Keine Pause gibt es bei den aktuellen Bauprojekten des Universitätsklinikums, die Prof. Adler den Gästen vorstellte. Die Weiterentwicklung des Heidelberger Klinikrings hatten die Besucher bei einem Blick aus dem Fenster unmittelbar vor Augen: Der Aushub für den Neubau der Chirurgischen Universitätsklinik, der letzte Teil des Klinikrings, ist fast abgeschlossen. Die Baukosten von 170 Millionen Euro teilen sich Land und Klinikum. Ein Höhepunkt des Jahres 2014 war die Inbetriebnahme des Analysezentrums III. Das fünfstöckige Gebäude, das im Juni nach weniger als zwei Jahren Bauzeit in Betrieb genommen wurde, beherbergt das Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum, das neue Klaus-Tschira-Institute for Integrative Computational Cardiology sowie weitere Labore für Herzforschung im Rahmen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung.

„Großer Dank gilt der Dietmar Hopp-Stiftung und der Klaus Tschira-Stiftung. Ihre großzügige Unterstützung haben die Errichtung des Neubaus erst ermöglicht“, so Adler. Im September 2014 war Spatenstich für den Neubau des Zentrums für Integrative Infektionsbiologie (CIID). Hier werden bis zu 25 Arbeitsgruppen aus der infektiologischen Grundlagenforschung an Infektionserregern wie HI- und Hepatitis-Viren oder Malaria-Parasiten, mit Wissenschaftlern aus der Physik, Chemie, Biologie, Nanotechnologie und Mathematik zusammenarbeiten. Die Landesregierung unterstützt den Neubau mit rund 21,5 Millionen Euro, weitere rund fünf Millionen Euro steuert das Universitätsklinikum bei. Darüber hinaus wurde der Rohbau der Marsilius-Arkaden abgeschlossen. Die Kosten für den Gebäudekomplex mit Wohnungen, Büros, Seminar- und Konferenzräumen sowie Begegnungsstätten von rund 58 Millionen Euro tragen Universitätsklinikum und Universität selbst.

Kooperationen als Fundament für ambitionierte Projekte

Die kaufmännische Direktorin sprach den Partnern in Patientenversorgung und Forschung für die hervorragende produktive Zusammenarbeit ihren Dank aus. Die enge Kooperation mit zahlreichen Krankenhäusern der Region erlaube es, das gesamte Spektrum der Grund- und Regelversorgung bis hin zur Hochleistungsmedizin anzubieten und doppelte Versorgungsstrukturen zu vermeiden. So könne sich das Universitätsklinikum ganz auf die Hochleistungsmedizin konzentrieren, ohne dass dabei Lücken in der Patientenversorgung entstünden. „So schaffen wir das Fundament für ambitionierte Projekte, mit denen sich das Universitätsklinikum weiterentwickeln kann“, erklärte Irmtraut Gürkan. 2014 war dies u.a. die Gründung der „Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum GmbH“ gemeinsam mit der Rhön-Klinikum AG. Die Inbetriebnahme wird derzeit unter Heidelberger Leitung vorbereitet, Ende 2015 sollen die ersten Patienten bestrahlt werden.

„Nun muss erst eine Konsolidierungsphase folgen, um das Universitätsklinikum auf dem hohen Niveau, das wir erreicht haben, zu stabilisieren. Dabei hoffen wir weiterhin auf die Politik und die anstehende Krankenhausreform. Verlassen können wir uns allerdings nur auf uns und unsere Stärken.“

Ausreichend qualifizierte Bewerber im Pflegebereich

Auch 2014 war das Universitätsklinikum Heidelberg ein attraktiver Arbeitgeber. „Wir konnten alle offenen Stellen mit qualifizierten Bewerbern besetzen“, erklärte Pflegedirektor Edgar Reisch. Anders wäre es auch kaum möglich, die rund 60.000 stationären Patienten und mehr als eine Million ambulante Patientenbesuche zu managen. Dabei profitiert das Klinikum von den hervorragend ausgebildeten Berufseinsteigern aus der eigenen Akademie für Gesundheitsberufe, die in 12 Berufen ausbildet, vier staatlich anerkannte Fachweiterbildungen sowie ein umfangreiches Fortbildungsprogramm anbietet. 2014 blieb kein Ausbildungsplatz unbesetzt. Rund 70 Prozent der Absolventen werden vom Universitätsklinikum übernommen. „Uns ist es dabei besonders wichtig, auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Altersgruppen einzugehen und so unsere qualifizierten Mitarbeiter möglichst lange zu halten“, so Reisch.

Forschung, die beim Patienten ankommt

Über drei neue Sonderforschungsbereiche konnte der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Wolfgang Herzog, seit Oktober 2014 im Amt, berichten: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert – zunächst über einen Zeitraum von vier Jahren – die drei Heidelberger Verbünde mit insgesamt 29,6 Millionen Euro. Im Fokus stehen dabei Folgeschäden von Diabetes, die Wechselbeziehungen zwischen Krankheitserregern und Wirt sowie das komplexe Zusammenspiel von Nervenzellen. Ausschlaggebend für diese Erfolge sind Brückenprojekte mit den Schwesterfakultäten der Universität und den außeruniversitären Einrichtungen wie DKFZ, EMBL und Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung.

In den großen internationalen Hochschul-Rankings wie dem Times Higher Education Ranking nahm die Medizinische Fakultät 2014 jeweils Spitzenpositionen in Deutschland ein. „Aber im europäischen und internationalen Vergleich gibt es noch erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten“, sagte Herzog. Die Lösung sehe er u.a. darin, sich auf Forschungsthemen zu konzentrieren, die für die Patientenversorgung relevant sind. „Dafür entwickeln wir Zentren für Gesundheitsforschung für die großen Volkskrankheiten.“

Mit das Wichtigste sei aber, dass Fakultät und Klinikum, wie in Heidelberg, an einem Strang ziehen und vertrauenswürdig zusammenarbeiten. „Der Blick auf Ereignisse an anderen deutschen Universitätsklinika zeigt, wie wichtig ein guter Zusammenhalt im Vorstand ist, um die Entwicklung der Universitätsmedizin optimal zu unterstützen“, so Prof. Adler.