Viele Krebspatienten nutzen komplementärmedizinische Mittel oder Anwendungen, um Nebenwirkungen der Chemotherapie, z.B. Entzündungen der Mundschleimhaut oder Übelkeit, zu lindern. Doch wie gut wirken diese Verfahren im Vergleich zu konventionellen Maßnahmen? Von welchem Ansatz profitieren die Patienten am meisten? Diese Fragen soll eine neue Studie der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg klären.

Interessierte Patientinnen können sich für die Studie bis Ende 2015 anmelden

Gesucht werden Patientinnen mit Brustkrebs oder gynäkologischen Krebserkrankungen, die in einem der beiden Studienzentren, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg oder Frauenklinik des Städtischen Klinikums in Karlsruhe, eine Chemotherapie neu beginnen. Anmeldungen sind bis Ende 2015 möglich.

„Es gibt bisher kaum wissenschaftlich gesicherte Daten dazu, ob naturheilkundlich abgestimmte Pflegemaßnahmen den etablierten Verfahren überlegen sind, ebenso gut wirken oder sogar schlechter abschneiden – und zwar im Hinblick auf die Lebensqualität der Patientinnen. In unserer Studie werden wir das systematisch untersuchen“, erklärt Prof. Dr. Stefanie Joos, die als Leitende Oberärztin am Universitätsklinikum Heidelberg die Studie initiierte und weiter leiten wird.

Die beiden Studien-Gruppen

Die Patientinnen werden zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Patientinnen der ersten Gruppe erhalten bei Bedarf bewährte Pflegemaßnahmen, z.B. Mundspülungen gegen Schleimhautentzündungen, uridinhaltige Cremes bei Hand-Fuß-Syndrom (schmerzhafte Rötungen und Schwellungen an Handflächen und Fußsohlen als Nebenwirkung einer Chemotherapie) oder Antiseptika bei chemotherapiebedingten Nagelveränderungen. In der zweiten Gruppe kommen komplementärmedizinische Maßnahmen zum Einsatz, die durch die Pflegefachkräfte individuell abgestimmt werden. Dazu zählen Wickel, Akupressur, rhythmische Einreibungen, Aromatherapie sowie die Anwendung bestimmter Öle oder Bienenharz bei wunden Schleimhäuten. Die Auswirkungen auf Wohlbefinden und Lebensqualität werden mittels Fragebogen erhoben.

„Von welchen Verfahren die Patientinnen am meisten profitieren, wird erst dieser Vergleich zeigen. Wir suchen daher in erster Linie Patientinnen, die bereit sind, sich zufällig einer der beiden Gruppen zuteilen zu lassen. Sie tragen damit entscheidend dazu bei, dass wir in Zukunft Frauen in gleicher Situation bestmöglich und objektiv beraten können“, betont Joos.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte „congo-Studie“ (Complementary Nursing in Gynaecologic Oncology) ist ein Kooperationsprojekt der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), der Frauenklinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe, dem Institut für Medizinische Biometrie und Informatik am Universitätsklinikum Heidelberg und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, Mannheim.

Interessierte Patientinnen wenden sich an:
congo-Studienteam, Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Heidelberg
Dr. Nadja Klafke / Martina Bentner
Telefon 0 62 21/5 63 91 41
congo.studie@med.uni-heidelberg.de