Heidelberg: IMF fördert zwei Forschungsprojekte zu Knochenmarkkrebs

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Heidelberg: IMF fördert zwei Forschungsprojekte zu Knochenmarkkrebs

Zwei neue Forschungsprojekte des Heidelberger Myelomzentrums – zum Langzeitüberleben bei Multiplem Myelom und erblichen Risikofaktoren der bislang unheilbaren Krebserkrankung – werden von der Internationalen Myelom Stiftung (International Myeloma Foundation, IMF) in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 1,6 Millionen Euro gefördert. Im Rahmen der „Black Swan Research Initiative“ unterstützt die IMF vor allem Projekte, die sich mit der verbleibenden Resterkrankung nach der Therapie beschäftigen. Die überlebenden Krebszellen führen häufig über kurz oder lang zu einem Rückfall. Ziel ist es, u.a. herauszufinden, welche Eigenschaften diese therapieresistenten Krebszellen auszeichnen, welche Faktoren ein frühes oder spätes Wiederauftreten der Erkrankung beeinflussen und wie sich dies verhindern lässt. Das Heidelberger Myelomzentrum der Medizinischen Universitätsklinik und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) ist weltweit das drittgrößte Therapiezentrum dieser Art. Hier werden mehr als 1.800 Patienten pro Jahr aus ganz Deutschland und dem Ausland untersucht und überwiegend in Studien behandelt.

Heidelberger Myelomzentrum führt seit mehr als 20 Jahren Patientenregister

Im Fokus des ersten Projektes, von der IMF mit 1,28 Millionen Euro gefördert, stehen Myelom-Patienten, die, ausgehend vom Therapiebeginn, zehn Jahre oder länger überleben. Die Kernfragen der Wissenschaftler sind: Was unterscheidet sie von Patienten, die trotz vergleichbarer Behandlung schon früher ihrem Krebsleiden erliegen? Wie unterscheiden sich die Krebszellen? Lassen sich aus diesen „Überlebens-Markern“ Ansatzpunkte für neue Therapien ableiten? „Das Heidelberger Myelomzentrum ist für dieses Projekt prädestiniert, da wir schon seit rund 20 Jahren Patientenregister führen und auf Daten und Proben einer entsprechend großen Anzahl solcher Langzeitüberlebenden zurückgreifen können“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Sektion Multiples Myelom an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und dem NCT Heidelberg. „Wir werden neueste Methoden nutzen, um klinische Daten mit genetischen und molekularbiologischen Analysen zu verknüpfen, und so hoffentlich ein Muster finden, das Rückschlüsse auf die Überlebenszeit und die Gründe dafür zulässt.“

Zahlreiche Faktoren, die mit der Überlebenszeit zusammenhängen, wurden bereits beschrieben, allerdings in kleineren Patientenkollektiven. Ziel ist es nun, deren Aussagekraft bei rund 1.000 Patienten, von denen ein Teil mindestens zehn Jahre überlebt haben, rückblickend zu überprüfen. Therapierelevant sind bisher hauptsächlich Marker für eine schlechte Prognose, wie bestimmte genetische Veränderungen oder aggressives Fortschreiten der Erkrankung. „Diese Marker sind sehr wichtig, da sie uns zeigen, welche Patienten wir von Anfang an intensiver behandeln müssen“, so Prof. Goldschmidt. „Aber umgekehrt haben wir nur erste Vorstellungen davon, was das Langzeitüberleben begünstigt. Wir gehen davon aus, dass Therapiekonzept, Zeitpunkt des Therapiestarts und Zustand des Immunsystems eine entscheidende Rolle spielen – das gilt es zu klären und dieses Wissen für Patienten mit schlechter Prognose zu nutzen.“ An dem Projekt ist neben den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kari Hemminki, Molekulargenetische Epidemiologie (Deutsches Krebsforschungszentrum) beteiligt.

Familien mit Myelom-Erkrankungen bei nahen Verwandten für Studie gesucht

Im zweiten Projekt, das mit 318.000 Euro unterstützt wird, forscht ein internationales Team unter Heidelberger Federführung nach genetischen Veränderungen, die innerhalb einer Familie das Erkrankungsrisiko erhöhen. Dazu sollen bei 12 Familien, in denen bei nahen Verwandten entweder ein Multiples Myelom oder eine Vorläufererkrankung diagnostiziert wurde, umfangreiche Erbgut-Analysen durchgeführt werden. Ziel ist neben der Suche nach möglichen therapeutischen Ansatzpunkten, zukünftig das Erkrankungsrisiko weiterer Familienmitglieder auf Wunsch bestimmen zu können. „Es gibt inzwischen sehr wirksame und gut verträgliche Therapien bei frühen Stadien des Multiplen Myeloms“, sagt Prof. Goldschmidt. „Ein Test auf genetische Risikofaktoren und – bei positivem Befund – regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung könnten daher in solchen Familien sehr sinnvoll sein.“

Aktuell sind sechs Familien gefunden, die bereit sind, an dieser Studie teilzunehmen. Weitere sechs werden dringend gesucht. Die Studie ist ein gemeinsames Projekt von Arbeitsgruppen um Prof. Goldschmidt sowie Prof. Kari Hemminki aus dem DKFZ.

Seit 2014 Black Swan-Förderung zu Bildgebung und Krebsnestern im Knochenmark

Die Wissenschaftler des Heidelberger Myelomzentrums sind in der Erforschung von Erkrankungsmechanismen, Diagnostik und Therapie seit Jahren sehr erfolgreich. Bereits 2014 konnten sie mit ebenfalls zwei Projekten Förderungen der Black Swan-Initiative einwerben. Im Rahmen der noch bis 2017 geförderten Projekte arbeitet ein Team um Prof. Dr. Jens Hillengaß daran, die diagnostische Bildgebung soweit zu verfeinern, dass – z.B. bei der Therapiekontrolle – erneute Aktivität der Krebszellen im Knochenmark schon in einem sehr frühen Stadium sichtbar werden. Zudem erforschen die Wissenschaftler, warum sich an bestimmten Stellen des Knochens Herde bilden, innerhalb derer das Wachstum der Krebszellen offensichtlich begünstigt wird.

Rund 5.600 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu am Multiplen Myelom, einer Krebserkrankung des blutbildenden Knochenmarks. Die Krebszellen stören die Blutbildung, schwächen die Knochensubstanz und können auch andere Organe indirekt schwer schädigen.

By |Freitag, 23. September 2016|