Wer unter starkem Übergewicht leidet und sich daher einer Magenoperation unterziehen möchte, ist an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg in guten Händen. Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie nach eingehender Überprüfung u.a. der Behandlungsangebote und -qualität, der Erfahrung des Ärzteteams und der Ausstattung der Klinik. Die Fachgesellschaft erkennt damit die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg sowie ihre Kooperationspartner im Krankenhaus Salem als „Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie“ an. Ein wichtiges Kriterium für die Zertifizierung ist die fachübergreifende Beratung, Behandlung und Nachsorge, die Heidelberger Patienten im interdisziplinären Diabetes- und Adipositaszentrum des Universitätsklinikums erhalten.

Rund 900 Patienten werden pro Jahr am interdisziplinären Diabetes- und Adipositaszentrum betreut: Ein Ärzteteam aus den Bereichen Endokrinologie, Psychosomatik und Sportmedizin klärt medizinische und psychische Ursachen der Fettleibigkeit individuell ab und bietet spezielle Abnehmprogramme, verbunden mit sportlichen Aktivitäten, Ernährungsberatung, psychologischer Betreuung, Verhaltenstherapie und bei Bedarf Medikamenten, an. Schlagen diese Konzepte nicht an, kommen verschiedene Magenoperationen in Frage, die innerhalb von ein bis zwei Jahren zur erfolgreichen Gewichtsreduktion führen und teilweise auch eine begleitende Zuckerkrankheit (Diabetes) beheben können. In 2014 unterzogen sich 80 Patienten in Heidelberg einer solchen Magenoperation.

Deutschlandweit führend in klinischer Forschung zu Adipositaschirurgie

„Welches Operationsverfahren sich am besten eignet, hängt vom jeweiligen Patienten ab“, erklärt Prof. Dr. Beat Müller, Leiter der Sektion Minimal-Invasive und Adipositaschirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. „Das klären wir gemeinsam mit den Patienten und den Experten der anderen Fachrichtungen.“ Am Heidelberger Zentrum werden verschiedene Verfahren angeboten, mit denen sich eine Gewichtsreduktion um bis zu 70 Prozent unter vertretbarem Risiko erreichen lässt. Voraussetzung für eine Operation ist in jedem Fall eine vorausgehende, mindestens sechsmonatige Teilnahme an einem ärztlich begleiteten Gewichtsreduktionsprogramm und ein Body-Mass-Index (Gewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße) von 40 kg/m2 oder 35 kg/m2 bei bestimmten Begleiterkrankungen.

Die am häufigsten durchgeführten Verfahren sind der Magenbypass und die Schlauchmagen-Operation. Beim Magenbypass wird der Magen geteilt: Die Nahrung gelangt nur in den oberen Teil des Magens, der rasch Sättigung signalisiert, und wird dann am restlichen Magen vorbei direkt in den Dünndarm geleitet. Bei der Schlauchmagen-OP wird der Magen um zwei Drittel verkleinert. Dabei werden auch die Bereiche, die das Hungergefühl verursachen, mit entfernt. Beide Verfahren sind sehr effektiv und sicher. Aktuell vergleichen die Heidelberger Chirurgen die Wirksamkeit der beiden Techniken im Rahmen der BariSurg-Studie. „Für unsere Patienten bedeutet das zusätzliche Betreuung und Sicherheit“, so Müller. Im Bereich der klinischen Forschung liegt das Heidelberger Diabetes- und Adipositaszentrum deutschlandweit an der Spitze.

Interdisziplinäre Betreuung hat körperliche und seelische Gesundheit im Blick

Neben Magenbypass und Schlauchmagen-OP werden, je nach Bedarf, auch andere Eingriffe durchgeführt. Dazu zählen Magenband und -ballon sowie die Endobarrier-Therapie, bei der ein dünner, flexibler Schlauch in den Darm eingelegt wird und den oberen Darmabschnitt auskleidet. In diesem Bereich kommt die Nahrung nicht in Kontakt mit der Darmwand, es können keine Nährstoffe aufgenommen werden. Der Schlauch wird durch den Mund eingeführt und kann schnell und unproblematisch wieder entfernt werden. Die sogenannte biliopankreatische Diversion, ein aufwändiges Verfahren, bei dem zusätzlich zur Magenverkleinerung auch ein großer Teil des Dünndarms umgangen wird, kommt dann zum Einsatz, wenn andere Techniken wirkungslos bleiben. Die lebenslange Nachsorge erfolgt wieder fachübergreifend, die Patienten erhalten bei Bedarf Ernährungs- und psychosomatische Beratungen, ihr Ernährungszustand wird kontinuierlich überwacht.

Übergewicht ist in Deutschland nahezu Normalität: 75 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen sind betroffen, rund 20 Prozent sind schwer fettleibig (adipös). Der Anteil der Menschen mit extremer Adipositas hat sich in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt. Derart massives Übergewicht geht mit Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauferkrankungen und Gelenkproblemen einher. Mediziner halten kontrolliertes Abspecken daher ab einem Body-Mass-Index von 30 für dringend erforderlich. Wichtig ist dabei die Klärung der Ursachen: Liegt eine Hormonstörung vor? Gibt es psychische Ursachen wie Depressionen oder Essstörungen? Leidet der Patient unter sozialen Problemen? Weiß er überhaupt, wie man sich vernünftig ernährt? Am Heidelberger Adipositaszentrum stehen daher körperliche und geistige Gesundheit gleichwertig im Fokus.