GRN-Klinik Weinheim: Neue Methode bei Brustkrebs

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GRN-Klinik Weinheim: Neue Methode bei Brustkrebs

GRN-Klinik Weinheim bietet Brustkrebs-Patientinnen vielversprechende neue Methode:
Bestrahlung des unmittelbaren Tumor-Umfeldes während der OP hat sich als zielgenaue und schonende Therapie erwiesen

Dr. Lelia Bauer und Priv.-Doz. Dr. Dirk Neuhof demonstrieren die Funktionsweise des IORT-Bestrahlungsgeräts. Foto: GRN-Klinik Weinheim

Ende Januar 2012 wurden erstmals zwei Brustkrebs-Patientinnen der GRN-Klinik Weinheim mit einer neuartigen Bestrahlungsmethode behandelt: der Intraoperativen Radiotherapie (IORT). Bei dieser Technik wird das Gewebe im unmittelbaren Umfeld des Tumors nach dessen Entfernung noch während der Operation mit einem eigens für diesen Zweck entwickelten Gerät bestrahlt. Dies verkürzt die i.d.R. sechs- bis achtwöchige Bestrahlungszeit nach der OP um acht Tage und verbessert dadurch die Lebensqualität der Patientin. Gleichzeitig bietet die Methode große Sicherheit vor erneut auftretenden Tumoren an dieser Stelle, da die Strahlen wesentlich zielgenauer an ihr Ziel gebracht werden können als bei einer herkömmlichen Strahlentherapie.

Dr. med. Lelia Bauer, Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe an der GRN-Klinik und Leiterin des kürzlich rezertifizierten Brustzentrums Weinheim, ist seit Jahren mit der IORT vertraut, die seit 2002 in Deutschland erprobt wird und mittlerweile als Standardverfahren anerkannt ist. Dr. Bauer freut sich gemeinsam mit ihrem Team darüber, ihren Patientinnen nun dieses Angebot direkt vor Ort machen zu können – als eine von zwei außeruniversitären Kliniken in Baden-Württemberg. Unterstützt wird die erfahrene Operateurin während des Eingriffs von jeweils einem Strahlentherapeuten und einem Physiker des Universitätsklinikums Heidelberg.

„Etwa 60 bis 70 unserer Patientinnen mit einer Neuerkrankung wird die intraoperative Bestrahlung jährlich zugute kommen“, erklärt Dr. Bauer. Die IORT ist nicht für jede Art von Brustkrebs geeignet: Der Tumor darf nicht größer als vier Zentimeter sein. Doch die Frauen, für die eine solche Behandlung in Frage kommt, profitieren deutlich davon. Jede Frau, die an Brustkrebs erkrankt, hat den Wunsch, die Brust trotz OP zu erhalten. „Amputationen sind ohnehin heute in 70 Prozent der Fälle nicht mehr nötig“, so die gynäkologische Chefärztin, „doch die IORT macht uns durch ihre Zielgenauigkeit noch etwas sicherer, dass die Operation erfolgreich ist.“ Zudem sei die Gefahr von unerwünschten Nebenwirkungen der Strahlentherapie geringer als bei einer Bestrahlung, die ausschließlich nach dem Eingriff stattfindet, ergänzt der Heidelberger Strahlentherapeut PD Dr. med. Dirk Neuhof, der Dr. Bauer regelmäßig im OP zur Seite steht. Zu solchen Nebenwirkungen gehören z.B. Hautrötungen, Verhärtungen oder Narbenbildung an der behandelten Brust. „Durch das Prinzip, von innen nach außen zu bestrahlen, werden die Haut sowie das gesunde Gewebe der Brust geschont – und acht Bestrahlungen von außen mehr oder weniger können hier durchaus einen Unterschied machen.“

Die intraoperative Bestrahlung selbst ist für die Betroffenen keine Mehrbelastung: Während die Patientin ohnehin in der Narkose liegt, entfernt die Operateurin zunächst den Tumor und vermisst das Wundbett. Ein mit dem Bestrahlungsapparat vertrauter Physiker eicht das Gerät, während der Strahlentherapeut im Nebenraum bereit steht, um – je nach Größe des Tumors – die benötigte Strahlendosis zu berechnen. Ebenfalls nach der Tumorgröße richtet sich der Durchmesser des jeweils verwendeten Applikators – einer Kugel, die auf das Ende der stabförmigen Strahlenquelle montiert wird. Diese max. fünf Zentimeter große Kugel wird in die Wunde eingeführt, und durch sie gelangen die heilenden Röntgenstrahlen an ihren Bestimmungsort. Die IORT verlängert die Operationszeit je nach Tumorgröße um 20 bis 50 Minuten.

Eine nicht mehr allzu ferne Zukunftsvision der Gynäkologen und Strahlentherapeuten besteht darin, auf eine zusätzliche Bestrahlung nach der operativen Entfernung des Tumors komplett zu verzichten. Entsprechende internationale Studien laufen bereits seit vier Jahren, die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Die Rückfallrate bei Patientinnen mit und ohne Zusatz-Bestrahlung ist gleich niedrig (ca. 1,6 Prozent). Sollten dennoch neue Tumoren an der gleichen Stelle – so genannte Rezidive – entstehen, so birgt auch hier die IORT eine neue Chance, denn bereits heute können betroffene Frauen dank dieser Methode ein zweites Mal brusterhaltend operiert werden.

Das Brustzentrum Weinheim ist seit 2008 nach den Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie zertifiziert, ein Gütesiegel, das zuletzt im Dezember 2011 erneuert wurde. Diese Zertifizierung garantiert den hier behandelten Patientinnen die bestmögliche Versorgung im medizinischen, pflegerischen und sozialen Bereich.

Quelle: Pressemitteilung der GRN-Klinik Weinheim vom 14. Februar 2012

By |Montag, 19. März 2012|