Quelle: Umweltbundesamt, Greenpeace e.V.

Quelle: Umweltbundesamt, Greenpeace e.V.

Umweltschützer fragen Passanten nach Vorschlägen für andere Verkehrspolitik

Mannheim, 03. März 2017 – Gegen die anhaltende Gesundheitsgefahr durch Dieselabgase demonstrieren Greenpeace-Aktivisten am morgigen Samstag bundesweit in 60 Städten, darunter Stuttgart, Köln und München. Auch in Mannheim auf dem Paradeplatz informieren die Umweltschützer von 11 bis 16 Uhr unter dem Motto „Städte wollen atmen“ über die gesundheitlichen Folgen der Dieselabgase und sprechen mit Passanten über Vorschläge für eine Verkehrswende in ihrer Stadt. „Dieselabgase gefährden die Gesundheit von Hunderttausenden von Stadtbewohnern“, sagt Mobilitäts-Expertin Katrin Scharpf. „Wir möchten in Mannheim an die bisher geführten Gespräche mit den Verantwortlichen für eine umweltfreundliche Stadtplanung anknüpfen und auf eine lebenswertere und gesündere Wohnqualität hinwirken. Auch Mannheim muss jetzt weg von Diesel- und Verbrennungsmotoren, hin zu ökologischeren Verkehrsmitteln wie E-Bussen, Fahrrädern und geteilten E-Autos.“

Mehr als die Hälfte der offiziellen Verkehrsmessstationen bundesweit zeigten auch im vergangenen Jahr zu hohe Stickoxidwerte. Zwei Drittel der Stickoxide aus dem Verkehr stammen von Diesel-Pkw. Das Atemgift erhöht das Risiko für Asthma, Herzinfarkte sowie andere Herz-Kreislauferkrankungen und verursacht laut Europäischer Umweltagentur jährlich gut 10.000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland.

Weil viele deutsche Städte seit Jahren den geltenden Grenzwert für Stickoxid verfehlen, hat die Europäische Union inzwischen ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet. Auch Anwohner klagen in mehreren Städten. Der wachsende Druck auf die Städte hat inzwischen einen politischen Streit entfacht: Die Landesregierung Baden-Württembergs, der Berliner Senat sowie die Umweltminister der Länder fordern, bundesweit eine blaue Plakette einzuführen. Mit dieser könnten Städte ältere Diesel-Pkw bei besonders hoher Luftbelastung fernhalten.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sowie mehrere Ministerpräsidenten lehnen sie ab. Noch vor dem Sommer soll der Bundesrat über die Plakette abstimmen. “Mit der blauen Plakette lässt sich die Luft in Städten rasch verbessern. Wenn Ministerpräsidenten und der Verkehrsminister ihre Einführung blockieren, lassen sie die Städte mit ihren Luftproblemen alleine. Das wäre verantwortungslos“, sagt Jürgens.

Blaue Plakette mit Abstand wirksamstes Instrument für bessere Luft

Nach einem Gutachten des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg für die Stadt Stuttgart verringert die blaue Plakette als Erweiterung der Umweltzone Stickoxide am wirksamsten – um 95 Prozent. Der Vorschlag von Verkehrsminister Dobrindt, Busse, Taxen und Paketdienste auf Elektroantrieb umzustellen, würde die Stickoxidbelastung hingegen um lediglich 14 Prozent senken. Das Gutachten online: http://bit.ly/2mb19Fn
Immer mehr europäische Städte gehen gegen die Gesundheitsgefahr durch Stickoxide aus Dieselmotoren vor. Oslo hatte im Januar wegen schlechter Luft ein mehrtägiges Fahrverbot für Dieselautos verhängt. Madrid, Paris und Athen haben beschlossen, ab dem Jahr 2025 Dieselwagen in der Innenstadt ganz zu verbieten.

Presseerklärung vom 03. März 2017