Die EnergieSüdwest AG hat sich auf ihrer Aufsichtsratssitzung am 14. Mai 2013 gegen die Umsetzung der dritten Bohrung für das Geothermiekraftwerk Landau und gegen eine weitere Bezuschussung des Kraftwerksbetriebes ausgesprochen. An der Betreibergesellschaft geox GmbH ist das Unternehmen mit 50 Prozent beteiligt. „Nach reiflicher Überlegung und sorgfältiger Abwägung haben wir diese einstimmige Entscheidung aus Verantwortung für unser Unternehmen und auch seine örtlichen Kunden getroffen“, machten Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Huth und sein Stellvertreter Thomas Hirsch nach der Sitzung deutlich. Huth vertritt im Aufsichtsrat den Mehrheitsgesellschafter Enovos Deutschland, Hirsch die Stadt Landau, der über ihre Stadtholding 49 Prozent der Unternehmensanteile des Versorgungsunternehmens gehören.

Ursprünglich war vorgesehen, im Sommer 2013 die zusätzliche Bohrung zur Verbesserung des Kraftwerksbetriebes in Landau zu realisieren. Mit dieser Maßnahme sollte die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerksbetriebs, der seit den Erdbeben in 2009 nur noch mit reduzierter Leistung erfolgt, wiederhergestellt werden. Wirtschaftliche Gründe in Verbindung mit der seismischen Situation in der Südpfalz haben nun zu der ablehnenden Entscheidung geführt, erläuterten die Aufsichtsratsspitzen. Die Ereignisse in Insheim zeigen, dass auch die zweite Geothermieanlage in der Südpfalz bisher nicht ohne spürbare Seismik betrieben werden kann. Genau dies war aber ein wichtiges Ziel der dritten Bohrung in Landau. Des Weiteren sind die Aussagen der vorliegenden Gutachten zum optimalen Bohrpfad für die dritte Bohrung in Landau uneinheitlich, was zusätzliche Unwägbarkeiten aufwirft.

Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich deutlich negativ verändert. Die Projektkosten sind von ursprünglich geplanten 8,2 Millionen Euro auf nunmehr 10,6 Millionen Euro angestiegen – ohne mögliche Kostensteigerungen im Projektverlauf zu berücksichtigen. Die Zuschüsse sind dagegen um rund 1 Million Euro gesunken. Dazu kommen noch verschärfte Bedingungen im Bürgschafts- und Finanzierungsbereich, die das Projektrisiko erhöhen. Insgesamt ist das Haftungsrisiko der EnergieSüdwest von ursprünglich erwarteten 0,8 Millionen Euro auf über 3,5 Millionen Euro angestiegen.

Folglich weichen die wesentlichen Entscheidungsgrundlagen für dieses Vorhaben entscheidend von den ursprünglichen Annahmen ab. Mit dem Grundsatzbeschluss für die Option einer 3. Bohrung hatte die EnergieSüdwest aber gegenüber allen Partnern und Beteiligten stets deutlich gemacht, dass vor einem Start des Projektes nochmals alle Fakten zum Erreichen der Gesamtwirtschaftlichkeit geprüft werden müssen. Weder das Aufsichtsgremium noch der Unternehmensvorstand haben einen „Blankoscheck“ für dieses Projekt ausgestellt.

Die EnergieSüdwest hat bereits im April den Projektpartner und die geox GmbH über die kritische Einschätzung zur Projektrealisierung informiert. Wie es mit dem Kraftwerk jetzt weitergeht, wird die EnergieSüdwest zeitnah mit allen Beteiligten erörtern.