Heidelberg eTarif

Foto: Verkehrsverbund Rhein-Neckar

Zum 1. Januar 2015 hat der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) einen elektronischen Tarif für Smartphonenutzer (eTarif) auf der Grundlage des Vertriebssystems Touch&Travel im Stadtgebiet Heidelberg eingeführt. Dabei werden Fahrten innerhalb der Großwabe Heidelberg nicht mehr zum Festpreis abgerechnet, sondern entfernungsabhängig je Kilometer Luftlinie zwischen Start- und Zielhaltestelle. Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt wird von der Stadt Heidelberg finanziell unterstützt. Wie der eTarif funktioniert und welche Vorteile er bietet, stellten Verkehrsverbund und Stadt Heidelberg in der vergangenen Woche bei einem gemeinsamen Pressetermin im Heidelberger Stadtteil Kirchheim vor.

„Der eTarif Heidelberg ist ein Einstieg in ein völlig neues zukunftsweisendes Berechnungssystem. Er ist einfach, günstig und fair“, bringt VRN-Geschäftsführer Rüdiger Schmidt das Pilotprojekt auf den Punkt. „Gemeinsam wollen wir Heidelberger Bürgerinnen und Bürgern einen leistungsgerechten Tarif gerade auch für Kurzstrecken anbieten und so den öffentlichen Personennahverkehr in Heidelberg fördern und neue Fahrgäste gewinnen“, ergänzt Bernd Stadel, Erster Bürgermeister der Stadt Heidelberg.

Preisstufen und Waben spielen keine Rolle mehr

„Preisstufen und Waben spielen keine Rolle mehr, Kleingeld und Fahrscheinautomaten kann man getrost vergessen“, verspricht Schmidt. Ab sofort kostet im eTarif die Fahrt mit Bus und Bahn im Stadtgebiet Heidelberg 1 Euro Grundpreis zuzüglich 20 Cent pro angefangenen Kilometer. Abgerechnet wird nicht die Fahrtstrecke, sondern nur die Luftlinie, also die kürzeste Entfernung zwischen Start- und Zielhaltestelle. „Sie zahlen also immer nur exakt so viel, wie Sie auch gefahren sind“, so Schmidt. Neben dem regulären Grund- und Kilometerpreis werden auch die Nutzung der 1. Klasse bei der DB sowie eine Ermäßigung für Inhaber einer BahnCard angeboten.

Der neue Tarif funktioniert ganz ohne Fahrschein mit dem Smartphone und dem elektronischen Vertriebssystem Touch&Travel, das seit Juni 2013 in allen Bussen und Bahnen im VRN und darüber hinaus im Fernverkehr der DB und vielen weiteren Verkehrsverbünden genutzt werden kann. Vor der ersten Fahrt installiert man die kostenlose Touch&Travel-App auf seinem Smartphone und registriert sich einmalig. Vor jeder Fahrt startet man die App, meldet sich bei Fahrtantritt an und nach dem Aussteigen wieder ab; kurz danach wird der Fahrpreis angezeigt. Bezahlt wird monatlich bequem per Lastschrift. Zusätzlich bietet Touch&Travel eine Tagesbestpreisgarantie: Alle VRN-Fahrten pro Tag werden zusammengefasst und die VRN-Tages-Karte berechnet, sofern das günstiger ist. Der eTarif lohnt sich damit vor allem für Fahrgäste, die nur gelegentlich mit Bus und Bahn fahren und keine Zeitkarte besitzen.

Fahrten außerhalb Heidelbergs werden nach dem normalen VRN-Tarif abgerechnet

Gültigkeitsbereich des neuen Tarifs ist die Großwabe Heidelberg (Wabe 125) und der Übergangsbereich zur Wabe 116 bis Heidelberg Orthopädie. Er kann in allen Bussen, Straßenbahnen und Nahverkehrszügen genutzt werden, Ruftaxen und die Bergbahn sind ausgeschlossen. Fahrten außerhalb Heidelbergs werden bei Touch&Travel nach dem normalen VRN-Tarif abgerechnet. Fahrgäste haben aber auch innerhalb Heidelbergs weiterhin die Wahl zwischen dem herkömmlichen Tarif und dem eTarif. Wer also kein Smartphone besitzt oder aus anderen Gründen den eTarif nicht nutzen möchte, erhält z.B. am Automaten oder beim Busfahrer weiterhin die gewohnten Fahrscheine.

Im normalen Tarif in Heidelberg kostet ein Einzelfahrschein 2,40 Euro, im City-Tarif zwischen Hauptbahnhof und Karlstor 1,20 Euro. Schon bei einer Fahrt nur eine Haltestelle über die Grenze des City-Tarifs hinaus zahlt man 2,40 Euro. „Diese Tarifierung wurde von den Fahrgästen in Heidelberg als zu wenig leistungsgerecht empfunden und hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass immer wieder Kurzstrecken- oder Stadtteiltarife gefordert wurden“, erläutert Erster Bürgermeister Stadel das Interesse der Stadt Heidelberg an dieser Maßnahme. „Der eTarif ist erheblich leistungsgerechter und in vielen Fällen auch günstiger“. Für die kürzeste Fahrt zahlt man 1,20 Euro, aber eben nicht nur im Bereich der Altstadt, sondern auch in Ziegelhausen, Wieblingen, Rohrbach, in der neuen Bahnstadt oder eben in Kirchheim. Für längere Fahrtstrecken kann der eTarif auch teurer als der reguläre Fahrschein zu 2,40 Euro sein.

„Schon jetzt zeichnet sich ein deutliches Interesse am eTarif ab“, so Schmidt. Auf der VRN-Webseite findet man alle Informationen, u.a. gibt es einen Tarifrechner, in dem man sich den Preis für seine Verbindung vorab zeigen lassen kann. Seit Jahresbeginn seien schon einige Hundert Abfragen erfolgt. Bei den meisten Abfragen liegen die Starthaltestellen in den Stadtteilen, oftmals sei das Ziel im gleichen Stadtteil, daneben werden hauptsächlich Haltestellen im Stadtzentrum als Ziel angegeben.

Projektlaufzeit von drei Jahren

Wie der eTarif tatsächlich genutzt wird, wird während der Projektlaufzeit von drei Jahren intensiv beobachtet, eine externe Marktforschung findet im Laufe des Jahres 2016 statt. Die Stadt Heidelberg unterstützt das Projekt mit insgesamt bis zu 92.000 Euro, die zur Mitfinanzierung des Initialaufwandes sowie zum Ausgleich möglicher Mindereinnahmen eingesetzt werden. Eine Ausweitung des Angebots über Heidelberg hinaus auf das gesamte Verbundgebiet ist frühestens ab 2017 denkbar. Dazu Schmidt: „Das hängt aber von den Erfahrungen ab, die wir hier in Heidelberg machen; da sind nicht nur wir gespannt, da schauen auch die anderen Verkehrsverbünde auf uns.“

Gedruckte Informationen zum Projekt erhält man u.a. beim Bürgerservice der Stadt Heidelberg und im RNV-Kundenzentrum am Hauptbahnhof.

VRN-Service
Tarifauskünfte an Werktagen Mo – Fr 8.00 – 17.00 Uhr, Fahrplanauskünfte rund um die Uhr telefonisch unter 0 18 05 8 76 46 36 (14 Cent/Min. aus dem Festnetz; max. 42 Cent/Min. aus Mobilfunknetzen).